Letztes Update am Do, 08.08.2019 15:57

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Ocean Viking“ unterwegs nach Lybien



Das Flüchtlingsrettungsschiff „Ocean Viking“ ist nach Verweigerung eines Tankstopps in maltesischen Hoheitsgewässern auf dem Weg in sein Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. „Wir haben Wasser, Treibstoff, Menschen warten darauf gerettet zu werden, wir machen weiter“, erklärte Einsatzleiter Nicholas Romaniuk am Donnerstag. Das 69 Meter lange Schiff war am Sonntag in Marseille in See gestochen.

Dem Schiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen (MSF) war demnach am Mittwochabend kurzfristig das Auftanken vor Maltas Küste untersagt worden. Die „Ocean Viking“ hatte nach Angaben des Einsatzleiters noch Treibstoff für schätzungsweise zehn bis zwölf Tage an Bord. Das Einsatzgebiet sollte am Donnerstag erreicht werden. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge.

Den Angaben zufolge hatte sich die „Ocean Viking“ mit den maltesischen Behörden darauf geeinigt, auf dem Wasser auftanken zu dürfen. Die Erlaubnis sei zwei Stunden vor dem geplanten Tankstopp jedoch zurückgezogen worden.

Es handelt sich um den ersten Einsatz der „Ocean Viking“. SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten Ende 2018 nach drei Jahren ihre gemeinsamen Rettungsaktivitäten mit dem Schiff „Aquarius“ auf politischen Druck Italiens hin eingestellt. Mit der „Aquarius“ retteten sie nach eigenen Angaben zwischen 2016 und 2018 rund 30.000 Menschen vor dem Ertrinken.

Italien und Malta haben bereits mehrfach Hilfsschiffen die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Schiffe mit Flüchtlingen an Bord müssen teils tagelang auf die Einfahrt warten. Beide Länder verweigern zumeist das Anlegen, solange die Aufnahme der Flüchtlinge durch andere EU-Länder nicht geklärt ist.

Am Mittwochabend richtete die spanische Organisation Proactiva Open Arms einen dramatischen Appell an die EU: Ihr Rettungsschiff „Open Arms“ habe seit mittlerweile sechs Tagen 121 gerettete Menschen an Bord und immer noch keine Erlaubnis erhalten, in einem europäischen Hafen einzulaufen. Malta habe den Flüchtlingen das Recht verweigert, an Land zu gehen.

Am Donnerstag erklärte sich dann die evangelische Kirche Italiens bereit, die 121 Geflüchteten aufzunehmen. Eine solche Geste habe für sie eine „wichtige menschliche Bedeutung“ und entspreche christlicher Nächstenliebe und Aufnahmebereitschaft, so der Vorsitzende, Luca Maria Negro Negro, und der Moderator der „Waldensischen Tafel“, Pfarrer Eugenio Bernardini, die sich in einem Brief an den italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte und den Innenminister Matteo Salvini wandten.

EU-Parlamentspräsident David Maria Sassoli hat unterdessen dringliche Hilfe und eine faire Verteilung für die „Open Arms“-Flüchtlinge gefordert. In einem Schreiben an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betont Sassoli, dass die Lage ernst sei und unverzügliche Aktionen notwendig seien.

Natürlich könne eine Verteilung nur auf freiwilliger Basis erfolgen, konzediert Sassoli. Doch „die Armen können nicht warten“. Das EU-Parlament werde alle Anstrengungen für Hilfe für die Migranten unterstützen. „Lasst uns das tun - für Hortensia, die Frau, die, um ihrem Peiniger zu entkommen, sich mit Benzin übergossen und angezündet hat“.

Am Sonntag hatte Malta dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ das Anlegen verweigert. Die Küstenwache holte allerdings 40 Menschen von Bord des Schiffes in internationalen Gewässern ab und brachte sie in die Hauptstadt Valletta.

Im Mai hatte ein Gericht in Malta den Kapitän des deutschen Flüchtlings-Hilfsschiffs „Lifeline“ zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt. Das Gericht sah es demnach als erwiesen an, dass die „Lifeline“ nicht ordnungsgemäß registriert war.

Das Schiff hatte im Juni 2018 vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff ein Anlegen verweigert hatten. Schließlich durfte die „Lifeline“ in Malta vor Anker gehen, der Kapitän wurde jedoch festgehalten und von der Polizei vernommen.




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