Letztes Update am Do, 08.08.2019 18:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leichte Entspannung Pakistan-Indien im Kaschmir-Konflikt



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Im neu entbrannten Konflikt um die Kaschmir-Region hat Pakistan die Sorge vor einer gewaltsamen Eskalation des Konflikts mit Indien gedämpft. Islamabad erwäge „keine militärische Option. Wir sehen uns lieber politische, diplomatische und juristische Optionen im Umgang mit der aktuellen Situation an“, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi am Donnerstag.

Zuvor hatte Indien sein Vorgehen im indischen Teil Kaschmirs als „innere Angelegenheit“ bezeichnet. Indien warnte das Nachbarland vor einer Einmischung.

Seine Regierung werde Indiens „moralisch falsche“ Entscheidung vor den UN-Sicherheitsrat bringen, kündigte Qureshi vor Journalisten an. Pakistans Militär hatte am Dienstag in einer kaum verhohlenen Drohung noch erklärt, es stehe „fest“ an der Seite der Menschen in Kaschmir.

Die indische Regierung hatte am Montag per Dekret den Artikel 370 der Verfassung, in dem der Sonderstatus für den von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs festgelegt ist, gestrichen. Die auch in Indien umstrittene Aufhebung der Autonomierechte befeuerte die Spannungen in der Region. Pakistan wies am Mittwoch den indischen Botschafter aus und setzte den Handel mit Indien aus.

Pakistans Reaktion auf die Aufhebung des Autonomiestatus der Region sei „Panikmache“, erklärte das indische Außenministerium am Donnerstag. Die Regierung bedauere die von Pakistan angekündigten Schritte und drängte Islamabad dazu, die Maßnahmen zu überdenken, „damit die normalen Kanäle für diplomatische Kommunikation erhalten bleiben“.

Unterdessen festigten die indischen Streitkräfte ihre Kontrolle über die betroffene Region. Medienberichten zufolge wurden bei den jüngsten Razzien im Bundesstaat Jammu und Kaschmir mittlerweile 560 Menschen festgenommen. In der Region wurde eine Ausgangssperre verhängt, Telefon- und Internetdienste wurden ausgesetzt. Zehntausende indische Truppen wachen über die Einhaltung der Anordnungen.

Wie die Zeitungen „Trust of India“ und „Indian Express“ berichteten, waren Universitätsprofessoren, Wirtschaftsführer und Aktivisten unter den Festgenommenen. Sie wurden demnach in provisorische Gefangenenlager gebracht. Beim obersten indischen Gericht ging unterdessen ein Antrag ein, wonach die Ausgangssperre gelockert und die Inhaftierten freigelassen werden sollen.

Die pakistanische Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai schrieb via Twitter, sie sei „besorgt um die Sicherheit der Kinder und Frauen von Kaschmir“. „Ich glaube, wir können alle in Frieden leben“, fügte sie hinzu.

Der indische Premierminister Narendra Modi verteidigte die umstrittene Aberkennung des Sonderstatus der Kaschmir-Region. Der neue Status würde der Bevölkerung des Himalaya-Gebietes wirtschaftliche Entwicklung und Frieden bringen, sagte er in einer 40-minütigen Rede am Donnerstagabend.

Modi sagte, der bisherige Sonderstatus hätte lediglich Separatismus, Terrorismus, Vetternwirtschaft und Korruption gefördert. In der Region kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Separatisten, die eine Abspaltung von Indien wollen, und Sicherheitskräften.

Mit der Neuregelung will Neu Delhi die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren. Viele Kaschmirer sind dagegen. Der Schritt sorgte auch für eine neue Krise mit dem Nachbarn Pakistan. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation.

Der Konflikt um die Unruheregion Kaschmir an der indisch-pakistanischen Grenze reicht bis zur Unabhängigkeit des ehemaligen Britisch-Indien und der damit einhergehenden Abspaltung Pakistans im August 1947 zurück. Zweimal, 1947 und 1965, führten Indien und Pakistan Kriege um die mehrheitlich muslimische Region.

1949 war Kaschmir von der UNO zwischen beiden Staaten aufgeteilt worden - beide beanspruchen die Region aber weiterhin zur Gänze. 1999 standen die verfeindeten Atommächte am Rande eines dritten Krieges.




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