Letztes Update am Sa, 10.08.2019 07:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zweitägiger Austropop-Gipfel auf Burg Clam



Die Seiler-und-Speer-Spitze des Austropop hat gestochen: Die Headliner des ersten von zwei Austropop-Gipfeln am Freitag auf Burg Clam absolvierten - nicht zuletzt durch die Unterstützung einer großartigen Band - einen Triumphzug über die g‘mahte (Maierhof-)Wiesn. Super auch Urgestein Wolfgang Ambros - nicht zuletzt durch die Unterstützung einer großartigen Band - und Jungspund Norbert Schneider.

Begonnen hatte am Nachmittag in aller Bescheidenheit Schiffkowitz (Ex-STS), und das sehr, sehr ordentlich. Das Beatles-Cover „Do kummt de Sun“ war - bei 34 Grad - sehr nett, das unvermeidliche „Fürstenfeld“ natürlich ein Highlight zum Abschluss. Danach präsentierte Norbert Schneider souverän, launig, mit Augenzwinkern, aber auch mit großer Meisterschaft die Kombination aus lockerem Dialekt und schmissigem New-Orleans-Style.

Es folgte Highlight Nummer eins des Tages: Wolfgang Ambros betrat - eigentlich: erklomm buckelig - die Bühne. Und ab dem Opener „Erste große Liebe“ war die Magie in der Sekunde da. Ambros in - den Umständen entsprechender - Bestform, gut gelaunt und stimmlich beachtlich. In einer Stunde kann es natürlich nur einen Auszug aus seinem umfangreichen Schaffen geben - aber der war grandios: Gänsehaut bei „Gezeichnet fürs Leben“, Rührung bei der ersten Zugabe „Langsam wachs ma zamm“ und Vollgas beim unvermeidlichen letzten Song „Schifoan“ - bei dem er wie schon seit Jahren kaum eine Zeile selbst singen musste, weil die Fans im ausverkauften Burgareal erwartungsgemäß als Riesen-Chor fungierten.

Auch alt, auch gut: die EAV im Anschluss. Wobei die Blödel-Popper auch nur einen kleinen Teil ihres Programms aus ihrer Abschiedstour „1.000 Jahre EAV“ bieten konnten. Und dabei blieben die kritischeren Töne etwas im Hintertreffen, es dominierten die (Holzhammer-)Hits a la „Märchenprinz“, „Banküberfall“, „Küss di Hand Herr Kerkermaster“ & Co. Doch auch dabei wurden zwei Faktoren ganz deutlich: welch großartige Reimkunst sogar die „seichtesten“ EAV-Songs bieten und welch grandiose Musiker die Band vereint. Und noch etwas: Frontman Klaus Eberhartinger ist im Alter von 69 in einer unfassbaren Top-Form, um die ihn wohl viele 40er beneiden.

Und dann kamen Seiler und Speer - und vom allerersten Ton war klar: Das wird ein mächtiger Gig. Nicht zuletzt wegen der Bühnenbesetzung: zwei Drummer, vier Bläser und zeitweise vier Gitarren. Und ja, nach dem kommerziellen Erfolg der vergangenen paar Jahre kann sich das Duo jetzt auch eine ganz ordentliche Pyrotechnik leisten. Man muss die Edel-Proleten (Selbstdefinition aus ihrer Anfangszeit) nicht mögen, aber das ist mittlerweile schon eine super-professionelle Partie mit einer beachtlichen Zahl von tollen Songs geworden.

Die schnelleren Hadern - allen voran „Ham kummst“ - bringen die textsicheren Fans quasi aus dem Stand zum Tanzen/Hüpfen, aber auch die langsamen Nummer beeindrucken; ganz besonders „Alan bin“ mit kollektivem Publikumsgesang und auch „Weust a Mensch bist“. Aber gerade bei Letzterem fehlt trotz allem immer noch ein Alzerl zum Charisma eines Wolfgang Ambros bei „A Mensch möcht ich bleibn“ - das der „Wolferl“ tatsächlich in jedem Sinn des Wortes aufrecht gesungen hat.

Samstagabend läuft Teil zwei des Austropop-Gipfels auf der Burg Clam mit dem selben Programm, erweitert um einen weiteren vielversprechenden Act, nämlich Folkshilfe. Kurzfristig Interessierte dürften enttäuscht werden: Das Burgareal ist auch beim letzten Konzert der Saison 2019 ebenso wie am Freitag völlig ausverkauft.




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