Letztes Update am Sa, 10.08.2019 18:18

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Marquez nach Rekordrunde aus Pole um ersten Österreich-Sieg



Motorrad-Superstar Marc Marquez greift nach einer Rekordrunde erneut aus der Pole nach seinem ersten Sieg beim Grand Prix von Österreich. Der spanische WM-Leader holte sich am Samstag im Qualifying der MotoGP mit 1:23,027 Min. und der vom Schnitt (187,2 km/h) her bisher schnellsten MotoGP-Runde in Spielberg seine 59. Pole in der Königsklasse.

Bei Sonnenschein und über 30 Grad Celsius war Serien-Weltmeister Marquez bei seiner Fabel-Bestzeit mehr als vier Zehntelsekunden schneller als Yamaha-Pilot Fabio Quartararo. Der Spanier löschte damit auch die 1:23,142-Minuten-Pole aus dem Jahr 2016 von Andrea Ioannone (186,9 km/h) aus. So nebenbei übertraf der sechsfache Saisonsieger Marquez mit seiner 59. Pole auch den Rekord des Australiers Mick Doohan (58). Der Italiener Andrea Dovizioso komplettiert auf seiner Ducati als Dritter die erste Startreihe.

Marquez ist auf dem Red Bull Ring schon in den vergangenen zwei Jahren aus der besten Startposition los gefahren, hat sich aber am Ende jeweils mit Platz zwei hinter einem Ducati-Piloten zufriedengeben müssen. Österreich ist damit die einzige Station im aktuellen WM-Kalender, auf der der 50-fache MotoGP-Sieger noch nicht gewonnen hat. Alle drei Auflagen seit der MotoGP-Rückkehr 2016 nach Österreich sind an Ducati-Fahrer gegangen.

Das könnte sich am Sonntag (14.00 Uhr, live ServusTV) ändern. Denn Honda hat den PS-Nachteil gegenüber Ducati wettgemacht und Marquez fährt in der Form seines Lebens. „Magic“ Marquez legte im ersten Quali-Stint 1:23,359 Min. vor und setzte dann alles auf eine Karte. „Ich habe versucht, eine 1:22er-Zeit zu fahren“, gestand er später grinsend. „Ich wollte es unbedingt, hatte aber einen kleinen Fehler im letzten Sektor und habe es dort verloren“, demütigte der siebenfache Weltmeister die fast eine halbe Sekunde und mehr abgehängte Konkurrenz dann auch noch mit Worten.

Der beste Marquez aller Zeiten ist also mehr als bereit für seinen ersten Österreich-Sieg. Aber, Vorsicht, am Sonntag ist auf dem Ring auch Regen nicht auszuschließen, was alles umwerfen könnte. „Bisher funktionierte alles perfekt. Jetzt müssen wir die besten Reifen für Sonntag finden, es wird ein langes Rennen“, sagte Marquez.

„Das Wichtigste ist jetzt das Rennen. Ich fühle mich sehr gut auf der Honda, aber die Jungs neben mir sind nicht sehr weit weg“, sagte Marquez bei der Pole-Pressekonferenz. „Es wird interessant, weil die Temperaturen am Sonntag runter gehen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, um den Sieg zu kämpfen. Wenn das nicht geht, will ich möglichst viele WM-Punkte mitnehmen.“

Der Überraschungs-Zweite Quartararo („Das ist für mich wie eine Pole“) wunderte sich vor allem über eines. „Vier Zehntel Sekunden Vorsprung von Marc sind auf dieser kurzen Strecke wirklich unglaublich.“ Marquez zeigte sich selbst etwas überrascht von seinem Riesen-Vorsprung. „Aber wenn die Strecke in der Quali schon sehr rutschig ist, ist das eine meiner Stärken. Ich rutsche über beide Räder und bremse später“, erklärte er sich das.

Dovizioso geht davon aus, dass Marquez dem Feld davonfahren will. „Deshalb ist es für mich wichtig, auch aus der ersten Reihe zu starten“, sagte der WM-Zweite aus Italien. „Das war eine Wahnsinnsrunde von Marc. Er wird morgen vorne wegfahren wollen, wir müssen ihn stoppen“, sagte der vor dem 11. Saisonlauf schon 63 Punkte zurückliegende Dovizioso.

Bester KTM-Pilot war einmal mehr Pol Espargaro. Der Spanier schaffte als Zehnter im Q1 gerade noch den Aufstieg ins Q2 und wurde am Ende Elfter. Während mit Johann Zarco (FRA) der zweite KTM-Werkspilot über Startplatz 16 nicht hinauskam, verpasste der Portugiese Miguel Oliveira vom KTM Satellitenteam Tech3 das Q2 hauchdünn und startet als 13. ins große Heimrennen von KTM.

In der Moto2 ging Pole an den Japaner Tetsuta Nagashima (Kalex) vor dem südafrikanischen KTM-Fahrer Brad Binder. In der Moto3 wurde der Österreicher Maximilian Kofler 26. und startet am Sonntag (11.00 Uhr) aus der neunten Reihe in das 23-Runden-Rennen. Die beste Nachricht für den 18-jährigen Oberösterreicher ist, dass er auch beim nächsten Rennen in Silverstone dank einer Wild Card am Start sein kann.

Indes wurde fixiert, dass die Motorrad-WM bis mindestens 2025 weiter auf dem Red Bull Ring in Spielberg in Szene geht. Die Vertragsverlängerung um fünf Jahre wurde am Samstagnachmittag am Rande des Grand Prix von Österreich zwischen Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und Ring-Eigner Dietrich Mateschitz unterzeichnet. Die Zweirad-WM war 2016 nach Spielberg zurückgekehrt, 2019 findet die seitdem vierte Auflage statt.

Während die Zukunft der Formel 1 in Spielberg noch offen ist, geht mit der MotoGP eine Erfolgsgeschichte also über 2020 hinaus fix weiter. Zuletzt kamen regelmäßig an die 200.000 Besucher, um Marc Marquez und das heimische KTM-Team zu sehen. Deshalb war der Motorrad-Grand-Prix von Österreich bereits mehrmals das größte Sport-Event in Österreich.

„Ich freue mich, dass wir bis mindestens 2025 auf dieser Strecke zu Gast sein werden. Der Red Bull Ring ist eine der schönsten Rennstrecken der Welt, und es ist ein Vergnügen für uns alle, hier Rennen zu fahren“, wurde Ezpeleta in einer Aussendung des Projekt Spielberg zitiert. „Das KTM-Heimrennen ist ein wichtiges Wochenende für unser neuestes MotoGP-Team und für den österreichischen Motorsport. Die Infrastruktur und die Organisation sind ausgezeichnet. Die vollen Tribünen schaffen eine einzigartige Atmosphäre hier in Spielberg. Ich freue mich auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit“, sagte Ezpeleta weiters.

Auch Mateschitz brachte seine große Freude über die Verlängerung zum Ausdruck und outete sich einmal mehr auch als Fan. „Die MotoGP ist für mich die attraktivste Rennserie der Welt. Sie bietet Motorsport in seiner reinsten Form. Nach vier Jahren MotoGP am Red Bull Ring ist die Begeisterung ungebrochen und es ist uns eine Freude, die Motorrad-WM nach 2020 weitere fünf Jahre bei uns begrüßen zu dürfen“, sagte der Red-Bull-Chef. „Das Erlebnis für die Fans an der Rennstrecke vor Ort, sowie für die Zuseher bei ServusTV, mit der Vertragsverlängerung zu sichern, ist unser langfristiges Bekenntnis zu diesem faszinierenden Sport und Ausdruck der persönlichen Wertschätzung für Carmelo Ezpeleta.“




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