Letztes Update am Sa, 10.08.2019 20:31

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Separatisten melden Eroberung von Präsidentenpalast im Jemen



Separatistenkämpfer im Jemen haben nach eigenen Angaben den Präsidentenpalast in der Interimshauptstadt Aden erobert. Die Kämpfer hätten den Palast kampflos von der Präsidialgarde übernommen, sagte ein Sprecher der Gruppe Sicherheitsring, einer Separatistengruppe, die für einen unabhängigen Süd-Jemen eintritt. Ein Augenzeuge bestätigte, die Präsidialgarde habe den Präsidentenpalast übergeben.

Die im Süden Jemens gelegene Stadt Aden ist seit Jänner 2015 die Interimshauptstadt der international anerkannten Regierung. Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi war aus der eigentlichen Hauptstadt Sanaa geflohen, als diese von sunnitischen Houthi-Rebellen besetzt wurde. Der Präsident und die meisten seiner Minister arbeiten Berichten zufolge allerdings aus Riad in Saudi-Arabien.

In Aden kommt es seit Mittwoch zu verstärkten Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den Separatisten vom sogenannten südlichen Übergangsrat (STC). Diese wollen sich vom Nordjemen abspalten und einen eigenen Staat gründen. Bei den Gefechten wurden bereits mindestens 30 Menschen getötet. Dutzende weitere seien verletzt worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus ärztlichen Kreisen. Die Todeszahl werde angesichts der schweren Verletzungen vermutlich noch ansteigen.

Die Anhänger des STC erklärten am Samstag, mehrere Lager der Präsidentengarde eingenommen zu haben. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der STC wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt, die Regierungstruppen haben dagegen den Rückhalt Saudi-Arabiens. Der Bruch Saudi-Arabiens und der VAE, die die Houthi-Rebellen eigentlich gemeinsam bekämpfen, wird im jemenitischen Bürgerkrieg zunehmend deutlich.

Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) zeigte sich unterdessen über die Sicherheit seiner Mitarbeiter sehr besorgt. Neun jemenitische Mitarbeiter seien von den Kämpfen in der Crater-Region südlich des Hafens von Aden betroffen. „Unsere Mitarbeiter sind in ihren Häusern gefangen. Sie haben Angst, weil sie die harten Kämpfe hören können. Sie sind besorgt, dass ihnen Nahrung und Wasser ausgehen“, sagte Mohammed Abdi vom NRC im Jemen laut einer Aussendung vom Samstag.

Das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis hatte zuvor erklärt, erneut eine Drohne der Houthi-Rebellen abgefangen zu haben. Die Drohne habe die saudische Stadt Khamis Mushait nahe der jemenitischen Grenze als Ziel gehabt, berichteten saudische Medien am Samstag. Die Houthis erklärten zudem, einen Flughafen in der saudischen Stadt Abha mit Drohnen angegriffen zu haben.




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