Letztes Update am Sa, 10.08.2019 21:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste in Hongkong lösen Streit zwischen USA und China aus



Mitten im erbitterten Handelskrieg mit China beschuldigen die USA die Volksrepublik nun auch, eine US-Diplomatin in Hongkong vorsätzlich in Gefahr gebracht zu haben. Die Berichte chinesischer Staatsmedien über die Diplomatin seien inzwischen „nicht mehr verantwortungslos, sondern gefährlich“, schrieb US-Außenamtssprecherin Morgan Ortagus auf Twitter.

Ausgelöst wurde der neue Schlagabtausch zwischen Washington und Peking durch ein Treffen der US-Diplomatin mit regierungskritischen Aktivisten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. China hatte am Donnerstag förmlich gegen das Treffen protestiert, über das Hongkonger Medien berichtet hatten. Das chinesische Außenministerium forderte die USA auf, den Zweck des Treffens zu erläutern und „sofort aufzuhören, sich in Hongkong-Angelegenheiten einzumischen“.

Die USA warfen der chinesischen Regierung übelste Methoden vor, weil sie ein Foto der Diplomatin sowie persönliche Informationen und Namen von Familienangehörigen an die Medien weitergegeben habe. Die Regierung in Peking stritt ab, hinter der Veröffentlichung zu stecken, und warf den USA ihrerseits vor, wie Kriminelle zu denken.

Ortagus wies nun via Twitter darauf hin, dass China gemäß den Wiener Konventionen verpflichtet sei, „unsere Diplomaten und Konsularbeamten mit gebührendem Respekt zu behandeln“ und alles zu tun, um Angriffe auf ihre Person, Freiheit oder Würde zu verhindern. In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit zwei Monaten immer wieder zu großen Protesten und Ausschreitungen.

In Hongkong haben auch am Samstag zahlreiche Menschen auf mehreren Kundgebungen gegen die Peking-treue Regierung demonstriert. Die Sicherheitskräfte trieben Regierungskritiker mit Tränengas auseinander, die eine Kreuzung blockierten. Den zweiten Tag in Folge besetzten Hunderte Demonstranten zudem die Ankunftshalle des Flughafens der Millionenmetropole. Bereits am Freitag hatten dort rund 1.000 Demonstranten friedlich protestiert, kein Flug wurde dadurch beeinträchtigt.

In mehreren Stadtbezirken zogen Tausende Menschen durch die Straßen. Während die seit Juni anhaltenden Proteste anfangs vor allem von Studenten getragen wurden, schließen sich inzwischen viele Ältere an. „Wir sind sehr zornig, dass die Polizei unsere jungen Leute festgenommen hat“, sagte eine Frau in ihren 60ern. Sie sei zur Kundgebung gekommen, weil sie sich wegen der zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten Sorgen mache. Die Demonstranten hätten nur versucht, sich gegen die Polizeigewalt zu schützen, sagte sie.

Die Proteste hatten sich an Plänen der Regierung von Carrie Lam für ein Gesetz zur Auslieferung von Beschuldigten an China entzündet. Seit Mitte Juni weiten sie sich aus und erreichten am Montag mit einem Generalstreik einen Höhepunkt. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Tränengas und Schlagstöcke einsetzte.

Der früheren britischen Kronkolonie Hongkong wurden nach der Übergabe an China 1997 besondere Rechte wie das der freien Meinungsäußerung eingeräumt. Diese sehen die Regierungskritiker nun gefährdet. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierungschefin Lam. Diese rief am Freitag zu Ruhe und Vernunft auf und forderte, die Gewalt müsse aufhören. Die Proteste schadeten der Wirtschaft in Hongkong und hätten sie „wie ein Tsunami“ getroffen.




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