Letztes Update am Sa, 10.08.2019 21:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hilfsschiff rettete weitere Menschen im Mittelmeer



Während eines eskalierenden Streits zwischen Malta und der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms über die Aufnahme von Bootsflüchtlingen hat ein Rettungsschiff mehr als 80 weitere Menschen im Mittelmeer gerettet. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen waren die Flüchtlinge am Samstag in einem Schlauchboot vor der libyschen Küste unterwegs.

Malta und die spanische Hilfsorganisation Proactiva stritten am Samstag über die Aufnahme der 160 Menschen auf einem anderen Rettungsschiff. Malta teilte mit, das Land wolle von 160 Menschen an Bord des Schiffes „Open Arms“ nur 39 aufnehmen, die in der Nacht auf Samstag gerettet worden waren. Die Aufnahme der übrigen 121 Bootsflüchtlinge lehnte die Regierung in Valetta ab, weil sie schon lange an Bord des Schiffes waren.

Die geflüchteten Menschen, unter denen sich auch 30 Kinder befinden, harren bereits seit eineinhalb Wochen an Bord des Schiffes der spanischen Organisation Proactiva Open Arms aus. Malta habe vorgeschlagen, 39 Flüchtlinge von einem Schiff der Marine abholen und zum maltesischen Festland bringen zu lassen, erklärte die Regierung. Diese Gruppe sei im Zuständigkeitsbereich Maltas gerettet worden.

„Open Arms“ habe diese Lösung jedoch abgelehnt und bestehe darauf, dass Malta alle 160 Geretteten aufnehme, hieß es. Zuvor hatte die Hilfsorganisation Maltas Entscheidung im Kurzmitteilungsdienst Twitter kritisiert, da diese Spannungen auf dem Schiff ausgelöst habe. Die Entscheidung habe zu einem „ernsthaften Sicherheitsproblem an Bord“ geführt, erklärte Oscar Camps, Gründer von Proactiva Open Arms. Die geretteten Menschen an Bord litten unter „unerträglichen“ Angstzuständen.

Unterdessen betonte US-Schauspieler Richard Gere bei einem Besuch in Lampedusa die Notlage der geflüchteten Menschen. „Die meisten Leute sprechen über sie als ‚Migranten‘, aber für mich sind sie Flüchtlinge, die vor einem Feuer weglaufen“, sagte er. Er habe mit fast allen Menschen an Bord gesprochen, alle hätten ihre eigene Geschichte.

Am Freitag hatte der Schauspieler den bis dahin 121 Geretteten und der Besatzung der „Open Arms“ einen Besuch abgestattet. „Ich bin von Lampedusa aus hergekommen. Wir haben so viel Wasser und Nahrung wie möglich für jeden an Bord mitgebracht“, sagte er in einem von Proactiva Open Arms veröffentlichten Video.

Alle seien wohlauf gewesen, aber es sei wichtig, dass sie nun „einen freien Hafen erreichen, von Bord gehen und ein neues Leben beginnen“ könnten, sagte der Schauspieler. Gere verglich die Situation mit den USA und sagte, es gebe dort „einen Präsidenten, der enorm viel Energie in die Entmenschlichung der Leute“ stecke.

Das Flüchtlings-Rettungsschiff „Ocean Viking“ hatte bereits am Freitag 85 Menschen vor der Küste Libyens gerettet. Derzeit befinden sich also rund 170 Bootsflüchtlinge an Bord. Der italienische Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini hatte in einem Schreiben am Freitag erklärt, Italien sei „weder gesetzlich verpflichtet noch bereit“, die Menschen aufzunehmen.

Das gleiche gelte für die Bootsflüchtlinge auf der „Open Arms“. Salvini sagte außerdem, er hoffe, dass sich Richard Gere einen Sonnenbrand hole und die Flüchtlinge auf die spanische Urlaubsinsel Ibiza mitnehme.




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