Letztes Update am So, 11.08.2019 03:54

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Im Bürgerkrieg im Jemen zerbricht Bündnis um Präsident Hadi



Im jemenitischen Bürgerkrieg ist das von Saudi-Arabien unterstütze Bündnis von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi auseinandergebrochen. Separatisten im Süden Jemens übernahmen am Samstag nach viertägigen Gefechten mit Truppen des Präsidenten die Kontrolle über die Hafenstadt Aden. Bisher kämpften die Separatisten an der Seite der Armee Hadis gegen die aufständischen Houthi-Rebellen.

Bei den Gefechten zwischen den Regierungstruppen und den Separatisten wurden mindestens 30 Menschen getötet worden. Dutzende weitere seien verletzt worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus ärztlichen Kreisen. Die Todeszahl werde angesichts der schweren Verletzungen vermutlich noch ansteigen.

Aden war der Regierungssitz Hadis, nachdem Houthis ihn aus der Hauptstadt Sanaa verdrängt hatten. Der gesundheitlich angeschlagene Hadi selbst hält sich seit Jahren in die saudi-arabischen Hauptstadt Riad auf. Auch die meisten seiner Minister arbeiten von dort aus.

Die Eroberung des Präsidentenpalastes in Aden, in dem auch Regierungsbüros untergebracht sind, sei auf keinen Widerstand gestoßen, teilte ein Militärkommandant der Separatisten mit. Beim Vorrücken stießen sie auf keinen Widerstand, da die Garde den Komplex kampflos geräumt hatte, wie einheimische Quellen der dpa berichteten. Einige der Gardisten seien sogar zu den Separatisten übergelaufen.

Die Regierung Hadis nannte das Vorgehen des Südlichen Übergangsrates (STC), wie die Separatisten heißen, einen Putsch. Saudi-Arabien rief zu einem Krisengipfel auf, um den Konflikt zu beenden. Zudem drohte die von Saudi-Arabien angeführte Koalition mit militärischen Mitteln in den Machtkampf einzugreifen. Der STC erklärte sich mit einer Feuerpause einverstanden.

Für Saudi Arabien stellt die Entwicklung einen Rückschlag im Machtkampf mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region dar. Das arabische Land unterstützt seit 2015 Hadi, der 2014 von den Houthis aus Sanaa vertrieben wurde. Die Regierung in Riad führt ein Bündnis mehrerer sunnitischer Staaten an, die vor allem mit Luftangriffen die Truppen Hadis unterstützen. Die schiitischen Houthis sind mit dem schiitischen Iran verbündet.

Die Houthi-Rebellen haben weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Durch die Kriegswirren ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln vielerorts zusammengebrochen, nach UNO-Angaben leiden Millionen Menschen Hunger. Mehr als zwei Millionen wurden im Bürgerkrieg aus ihrer Heimat vertrieben.

Seit Monaten bemühen sich die Vereinten Nationen um die Vermittlung eines Friedens. Die jüngste Entwicklung dürfte auch die Position Hadis geschwächt haben und damit die Gespräche erschweren. Die Houthis erklärten, die Ereignisse in Aden belegten, dass Hadi unfähig zum Regieren des Landes sei. Es sei an der Zeit, dass die bestimmenden Kräfte des Landes ernsthafte Gespräche führten, um den Jemen in einen föderalen Staat zu überführen, in dem die Interessen aller Seiten berücksichtigt würden, teilte der stellvertretende Houthi-Außenminister Hussein al-Azzi mit.

In Aden war es seit Mittwoch zu verstärkten Kämpfen zwischen Truppen der international anerkannten Regierung und den STC-Separatisten gekommen. Diese wollen sich vom nördlichen Jemen abspalten und einen eigenen Staat gründen. Erst 1990 war der damalige Nordjemen und die Demokratische Volksrepublik Jemen im Süden zu einem Staat vereinigt worden.

Die Anhänger des STC erklärten am Samstag auch, mehrere Lager der Präsidentengarde eingenommen zu haben. Eine unabhängige Bestätigung für die Berichte gab es zunächst nicht.

Der STC wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt, die Regierungstruppen haben dagegen den Rückhalt Saudi-Arabiens. Der Bruch Saudi-Arabiens und der VAE, die die Houthi-Rebellen als Rückgrat der Saudi-geführten Militärallianz eigentlich gemeinsam bekämpfen, wird im jemenitischen Bürgerkrieg zunehmend deutlich.

Das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis hatte zuvor erklärt, erneut eine Drohne der Houthi-Rebellen abgefangen zu haben. Die Drohne habe die saudi-arabische Stadt Khamis Mushait nahe der jemenitischen Grenze als Ziel gehabt, berichteten saudische Medien am Samstag. Die Houthis erklärten zudem, einen Flughafen in der saudi-arabischen Stadt Abha mit Drohnen angegriffen zu haben.




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