Letztes Update am So, 11.08.2019 17:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dovizioso schnappte Marquez Spielberg-Sieg weg



Der Italiener Andrea Dovizioso hat das MotoGP-Rennen auf dem Red Bull Ring in Spielberg gewonnen. Der Ducati-Pilot setzte sich am Sonntag nach einem packenden Zweikampf mit Weltmeister Marc Marquez aus Spanien durch. In der Moto2-Klasse gewann Brad Binder vor Weltmeister-Bruder Alex Marquez, das Rennen in der Moto3-Klasse entschied Romani Fenati für sich.

Dritter in der MotoGP wurde der Franzose Fabio Quartaro vor dem italienischen Altmeister Valentino Rossi. Miguel Oliveira vom KTM-Kundenteam Tech 3 belegte den achten Platz. In der WM-Wertung führt Marquez nun 58 Punkte vor Dovizioso. Dem Honda-Star Marquez blieb ein Sieg in Österreich damit erneut verwehrt.

Dabei war der Gewinner von 50 MotoGP-Rennen auch diesmal wieder ganz knapp dran. Mit einer Rekordrunde hatte er sich am Samstag zunächst die Pole in Spielberg gesichert. Zwar erwischte am Sonntag Yamaha-Pilot Fabio Quartararo die beste erste Rennrunde, bald aber zogen Dovizioso und Marquez am Franzosen vorbei.

Was folgte war eine doppelte Vorentscheidung, weil Jack Miller stürzte und Marquez an Dovizioso vorbei an die Spitze fuhr. Der Spanier, der gerne vorne weg fährt, hatte aber nicht die optimalen Reifen, um sich zu lösen. Deshalb hatte er den kampflustige Italiener auf der PS-starken Ducati ständig am Hinterrad sowie mehrmals neben oder vor sich.

Um sich nicht wie vor zwei Jahren in Spielberg auf eine Entscheidung in der letzten Kurve einlassen zu müssen, startet Marquez drei Runden vor Schluss seine Attacke. Zwischen dem Schräglagen-Weltrekordler und dem Vizeweltmeister ging es hin und her, und am Ende kam es dann doch so, wie von Marquez nicht gewollt. Dovizioso stach in der letzten Kurve (10) innen hinein und ließ einen verdutzten Weltmeister zurück. Vor zwei Jahren hatte dieser selbst versucht, dort an „Desmodovi“ vorbeizukommen und war gescheitert.

Bei Dovizoso ging es diesmal aber auf, womit nach 2016 (Andrea Iannone), 2017 (Dovizoso) und 2018 (Jorge Lorenzo) erneut ein Ducati-Fahrer in Österreich gewann. Das „Last-Corner-Duell“ gegen Marquez steht mittlerweile 5:1 für Dovizioso.

„Ich habe echt etwas Verrücktes probiert, und manchmal geht es eben auf“, gestand Dovizioso lachend. „Ich hätte ja nicht gedacht, dass es sich ausgeht, weil ich nicht so bremsen kann wie Marc. Aber in der letzten Kurve muss man es einfach probieren. Schlimmstenfalls wäre ich Zweiter geworden“, sagte Dovizioso und ergänzte: „Das ist für Ducati und Luca!“ Ducatis MotoGP-Pressesprecher Luca Semprini war vor einer Woche in Brno 35-jährig unerwartet verstorben.

Marquez war trotz seines 87. MotoGP-Podests sichtlich enttäuscht. „Wir haben Fehler gemacht. Grip und Ausdauer des Hinterreifens waren nicht normal“, führte der Spanier das verlorene Rennen auf die Reifenwahl zurück. „Ich hab es halt irgendwie gemanagt und bin auch über Platz zwei glücklich“, meinte er etwas halbherzig. „Es geht ja immer auch um die WM. Ich habe jetzt immer noch 58 Punkte Vorsprung, in Silverstone geht‘s weiter.“

Marquez erklärte nach dem Rennen: „Ich bin kurz vor Ende deshalb in Führung gegangen, weil es mit meinem Hinterreifen für eine Attacke nicht gereicht hätte. Also habe ich gehofft, wenigstens verteidigen zu können. Aber Dovi hatte so viel mehr Grip am Hinterreifen, dass er die letzten sechs, sieben Runden nur noch mit mir gespielt hat.“

In der Moto2-Klasse hatte Brad Binder zuvor mit einen bejubelten KTM-Heimsieg die Siegesserie von Alex Marquez beendet. Der nächstes Jahr in der MotoGP fahrende Südafrikaner siegte an seinem 24. Geburtstag in Spielberg knapp vor dem spanischen Weltmeister-Bruder. In der Moto3-Klasse gewann Romani Fenati vor Tony Arbolino sowie John McPhee.

Der nur als 11. gestartete Marquez baute aber auch mit Platz zwei seine WM-Führung auf Tom Lüthi auf 43 Punkte aus. Bis zum Start der zweithöchsten Zweirad-Klasse beim Motorrad-Grand Prix von Österreich war der Red Bull Ring getrocknet. Zahlreiche Berührungen und Stürze prägten das spannende Rennen, in dem der vom Sturzpiloten zum Seriensieger gereifte, jüngere Bruder von MotoGP-Champ Marc Marquez bewies, dass er nach seinen sechs Saisonsiegen zurecht an der WM-Spitze liegt. Nachdem er vom elften bis auf den zweiten Platz nach vorne gefahren war, verzichtete er auf eine riskante Schlussattacke gegen Binder.

Sieger Binder strahlte mit der am Red Bull Ring komplett versammelten KTM-Unternehmungsführung rund um CEO Stefan Pierer sowie Strecken-Eigentümer Dietrich Mateschitz um die Wette. Ausgerechnet am Tag der Bekanntgabe, dass man 2020 aus der Moto2 aussteigt, holte der Südafrikaner den ersten Saisonsieg für KTM. Es war sein vierter in der Moto2 und der insgesamt 20. für KTM, wenn man die 250er-Klasse dazuzählt.

„Es hätte kein besserer Tag sein können. Mein Geburtstag und dann der Heimsieg für KTM, es ist einfach großartig“, sagte der frühere Moto3-Weltmeister Binder, der 2020 im KTM-Satellitenteam Tech3 in der MotoGP fahren wird. Pierer hatte Binder kürzlich in einem APA-Interview als „Tier auf der Maschine“ bezeichnet.

Romani Fenati krönte indes seine Rückkehr in die Moto3-Klasse mit einem Comebacksieg. Zwar hatte der im Vorjahr gesperrt gewesene Italiener seine Pole wieder verloren, im Rennen setzte er sich aber vor seinem Snipers-Teamkollegen Tony Arbolino sowie John McPhee (GBR) durch. Der Österreicher Maximilian Kofler erreichte als 20. sein bisher bestes WM-Ergebnis.

„Ich bin unglaublich glücklich“, sagte Fenati, der im Vorjahr seine Renn-Lizenz verloren hatte, weil er seinem Landsmann Stefano Manzi während des Moto2-Laufs im September in Misano an den Lenker gegriffen, den Bremshebel gezogen und Manzi damit in Lebensgefahr gebracht hatte. Fenati war danach auch aus dem Nachwuchsteam von Valentino Rossi geworfen worden und hatte kurzfristig auch schon mit einem Karriere-Ende spekuliert. In Spielberg gelang Fenati nun sein 11. Sieg, es war sein erster seit Japan 2017.

Am Rennsonntag hatten sich die Verhältnisse am Red Bull Ring völlig geändert. Nach großer Hitze wurden die Fans mit auf 20 Grad gefallene Temperaturen sowie Regen empfangen. „Es war echt schwierig, weil der letzte Sektor komplett nass war“, berichtete Fenati, der wieder in die Moto2 zurück möchte. In der Moto3-WM verlor KTM-Pilot Aron Canet (10.) seine Führung, nun liegt Honda-Fahrer Lorenzo Dalla Porta (6.) voran.




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