Letztes Update am So, 11.08.2019 21:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stichwahl um Präsidentenamt in Guatemala eröffnet



In einer Stichwahl entscheidet Guatemala über die Nachfolge seines Präsidenten Jimmy Morales. Rund acht Millionen wahlberechtigte Bürger waren am Sonntag aufgerufen, entweder für die frühere Präsidentengattin Sandra Torres oder für den ehemaligen Chef der Gefängnisverwaltung, Alejandro Giammattei, zu stimmen. Das Votum verlief nach ersten Berichten friedlich und ohne größere Zwischenfälle.

Die knapp 3.000 Wahllokale sollten um 2.00 Uhr MESZ am Montag schließen. Mit einem vorläufigen Ergebnis wurde in der Nacht gerechnet.

Torres hatte die erste Wahlrunde am 16. Juni mit rund 25,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Ihre sozialdemokratische Partei UNE wurde bei der gleichzeitigen Parlamentswahl die mit Abstand stärkste Kraft im Kongress. Der konservative Bewerber Giammattei von der Partei Vamos kam auf knapp 14 Prozent. Weil kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreichte, kam es zur Stichwahl zwischen den beiden 63-Jährigen.

Der Sieger tritt im kommenden Jänner eine vierjährige Amtszeit als Staats- und Regierungschef an. Torres wäre die erste Frau in dem Amt. Der seit 2016 regierende Präsident Morales durfte nicht um eine zweite vierjährige Amtszeit antreten, weil die guatemaltekische Verfassung keine Wiederwahl erlaubt.

Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Korruption spielen Umfragen zufolge für die Wähler eine große Rolle. Ein wichtiges Thema ist außerdem ein umstrittenes Migrationsabkommen mit den USA, das die Regierung vor zwei Wochen unterzeichnete. Demnach können Migranten, die auf dem Weg in die USA Guatemala betreten haben, kein Asyl in den USA beantragen, sondern müssen dies in Guatemala tun.

Davon betroffen wären vor allem Menschen aus Honduras und El Salvador. Aus den beiden Ländern und aus Guatemala kommt die Mehrheit der Zehntausenden Migranten, die jeden Monat über Mexiko in die USA einzureisen versuchen. Beide Kandidaten lehnen das Abkommen ab. Es wird auch vor dem guatemaltekischen Verfassungsgericht angefochten.

Beide Kandidaten sind bereits mehrmals bei Präsidentenwahlen angetreten. Gegen Torres spricht nach Ansicht von Beobachtern der Verdruss vieler Wähler über die traditionellen politischen Eliten, zu denen sie gehört. Davon hatte der TV-Komiker Morales als politischer Newcomer bei der Wahl im Jahr 2015 profitiert, als er Torres besiegte.

Gegen Torres wird wegen illegaler Wahlkampffinanzierung ermittelt. Ihr Ex-Mann, der frühere Präsident Alvaro Colom (2008 bis 2012) - von dem sie sich scheiden ließ, um selbst kandidieren zu können - ist wegen Korruption angeklagt. Auch Giammattei hatte bereits Ärger mit der Justiz. Wegen eines blutigen Einsatzes in einer Haftanstalt während seiner Zeit als Chef der nationalen Gefängnisverwaltung saß er fast ein Jahr lang in Haft, wurde schließlich aber freigesprochen.




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