Letztes Update am Mo, 12.08.2019 15:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mutmaßlicher Angreifer einer Moschee weist Vorwürfe zurück



Der mutmaßliche Angreifer einer Moschee in Norwegen weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe des Mordes und versuchten Mordes laut seiner Anwältin zurück. Die Polizei in Norwegen hat nun einen offiziellen Terrorismusverdacht gegen den mutmaßlichen Angreifer erhoben. Am frühen Nachmittag wurde er einem Richter vorgeführt.

Die Polizei wollte in der Anhörung hinter verschlossenen Türen eine vierwöchige Isolationshaft für den 21-Jährigen beantragen. Demnach soll ihm ein „versuchter Terroranschlag“ zur Last gelegt werden. Gemäß norwegischem Recht kann eine Anklage erst auf einen offiziellen Verdacht erfolgen.

Bewaffnet mit zwei Schrotflinten und einer Pistole war der 21-Jährige am Samstag in die Al-Noor-Moschee in Bärum bei Oslo eingedrungen. Dort hielten sich zu dem Zeitpunkt noch drei Gläubige zum Gebet auf, von denen einer den Angreifer überwältigte. Schüsse wurden zwar abgefeuert, schwerer verletzt wurde aber niemand.

Der junge Mann wird zudem verdächtigt, vor dem Angriff auf die Moschee seine 17-jährige Stiefschwester getötet zu haben. Ihre Leiche wurde in seiner Wohnung gefunden. Medienberichten zufolge war sie chinesischer Herkunft und von der aktuellen Partnerin des Vaters adoptiert worden.

Nach Berichten norwegischer Medien stellte der 21-Jährige wenige Stunden vor dem Angriff einen Text in ein Online-Forum, in dem von einem „Krieg der Rassen“ die Rede ist. Zudem werde dort der Attentäter von Christchurch in Neuseeland gepriesen, der bei Angriffen auf zwei Moscheen im März 51 Menschen getötet hatte.

Der Angriff auf die Moschee in Bärum am Vorabend des Islamischen Opferfests Eid al-Adha schürte Ängste unter Norwegens muslimischer Bevölkerung und weckte im ganzen Land Erinnerungen an die Attentate des Rechtsextremen Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 77 Menschen getötet hatte.

Norwegens konservative Regierungschefin Erna Solberg bekräftigte am Sonntag, dass die rund 200.000 Muslime im Land auf die Unterstützung der Regierung zählen könnten. An Solbergs Regierungskoalition ist auch die populistische Fortschrittspartei beteiligt, die wegen fremdenfeindlicher Äußerungen ihrer Vertreter immer wieder in der Kritik steht.

Norwegische Medien berichteten unterdessen über Äußerungen von Nachbarn und Bekannten des Verdächtigen, die diesen als glücklichen und ausgeglichenen Menschen beschrieben. Dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK zufolge soll der 21-Jährige jedoch „sehr religiös“ geworden sein und zunehmend rechtsextreme Einstellungen angenommen haben.




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