Letztes Update am Mo, 12.08.2019 15:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tausende Demonstranten legen Hongkonger Flughafen lahm



Tausende regierungskritische Demonstranten haben am Montag den Hongkonger Flughafen lahmgelegt. Mehr als 5000 Menschen protestierten dort nach Behördenangaben gegen Polizeigewalt. Die Flughafenverwaltung strich für den Rest des Tages sämtliche Flüge. Die chinesische Regierung verurteilte indes gewaltsame Ausschreitungen bei den Protesten in der Sonderverwaltungszone als „Terrorismus“.

Durch die Proteste werde der Flugverkehr „ernsthaft gestört“, begründete die Verwaltung das Streichen aller Flüge. Der Hongkonger Flughafen zählt zu den wichtigsten Drehkreuzen der Welt. Die Verwaltung rief Passagiere und Besucher auf, den Flughafen zu meiden. Zuvor waren bereits drei Tage lang Sitzblockaden abgehalten worden, bei denen Demonstranten den Fluggästen die Beweggründe für die Proteste erläuterten.

Aktivisten hielten Schilder mit der Aufschrift „Hongkong ist nicht sicher“ und „Schande über die Polizei“ in die Höhe. Sie werfen den Sicherheitskräften vor, zunehmend gewaltsam und mit unverhältnismäßigen Methoden gegen Demonstranten vorzugehen.

Passagiere reagierten teils verärgert auf die Protestaktion, weil sie ihre Flüge nicht antreten konnten. Andere zeigten Unterstützung für die Demonstranten. „Das eigentliche Problem hier ist, dass niemand weiß, was los ist“, sagte der südafrikanische Tourist Conor Whelan. Er beklagte sich darüber, dass auch die Flughafenmitarbeiter nach Hause geschickt worden seien. Weil Busse, Taxis und die Flughafenbahn überlastet waren, machten sich viele Demonstranten und Fluggäste zu Fuß auf den Weg zur nächsten U-Bahn-Station, die sich etwa drei Kilometer vom Terminal entfernt befindet.

Österreicher waren von der Flughafensperre offenbar nicht betroffen. „Es gibt noch keine Informationen über Fälle, wo jemand nicht abreisen kann“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Guschelbauer, am Montag der APA auf Anfrage. Das Generalkonsulat in Hongkong „beobachtet die Situation sehr genau“. Das Außenministerium riet Österreichern in seinen am Montag aktualisierten Reisehinweisen dringend dazu, „sich von Demonstrationen fernzuhalten“.

Die AUA-Mutter Lufthansa und ihre Tochter Swiss strichen wegen der Proteste mehrere Flüge in die Millionenmetropole. Betroffen sind Verbindungen aus München, Frankfurt und Zürich. Die AUA selbst hat ihre Hongkong-Flüge schon im vergangenen Oktober eingestellt.

Am Wochenende hatten erneut tausende Menschen in Hongkong gegen die pekingtreue Regierung protestiert. Dabei setzte die Polizei Tränengas unter anderem in U-Bahnstationen ein. Offenbar mischten sich zudem Zivilbeamte in den für die Demonstranten typischen schwarzen T-Shirts unter die Menge und nahmen Teilnehmer fest. Einige Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und setzten sich mit Feuerlöschern und Wasserschläuchen zur Wehr.

Nach Angaben der Regierung wurden insgesamt 45 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Unter anderem trug eine Frau schwere Verletzungen im Gesicht davon. Bilder der Frau, die blutend auf dem Boden liegt, wurden rasch im Internet verbreitet und waren später auch auf Protestplakaten zu sehen.

Als Zeichen der Solidarität trugen viele der Demonstranten am Flughafen Augenklappen oder Bandagen im Gesicht. „Es wird immer gefährlicher, aber wenn wir jetzt nicht mehr rausgehen, wird unsere Zukunft beängstigender und wir verlieren unsere Freiheiten“, sagte eine 22-jährige Aktivistin.

Die Hongkonger Regierung warnte vor wirtschaftlichem Chaos durch die Proteste. Die Stadt werde einen „hohen Preis“ für die Schließung des Flughafens zahlen, sagte Verkehrsminister Frank Chan.

Unterdessen wurde der Ton aus Peking noch schärfer. Der Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats verurteilte einzelne Angriffe mit Benzinbomben auf Polizisten während der vergangenen Proteste. „Radikale Demonstranten“ hätten wiederholt Sicherheitskräfte mit „äußerst gefährlichen Gegenständen“ angegriffen, sagte Yang Guang. Dies sei „ein schweres Gewaltverbrechen“ und zeige „erste Anzeichen von Terrorismus“.

Chinesischen Medienberichten zufolge entsandte das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten „groß angelegte Übungen“ stattfinden, berichtete die „Global Times“.

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific drohte Unterstützern der Proteste auf Druck Chinas unterdessen mit Entlassung. Beschäftigten, die „illegale Demonstrationen unterstützen oder daran teilnehmen“, könne gekündigt werden, erklärte Cathay Pacific. Chinas Luftfahrtbehörde hatte die Airline am Freitag angewiesen, Teilnehmer der Proteste weder auf Flügen Richtung Festland-China noch durch den chinesischen Luftraum einzusetzen.

Die seit zehn Wochen andauernden Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie waren ursprünglich durch ein - später auf Eis gelegtes - Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an Festland-China erlaubt hätte. Die Demonstrationen weiteten sich danach zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong und für mehr Demokratie aus.




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