Letztes Update am Mo, 12.08.2019 16:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Labour will Verschiebung des Brexits in letzter Minute



Die oppositionelle Labour-Partei in Großbritannien will in letzter Minute eine Verschiebung des Brexits über den 31. Oktober hinaus erreichen. Labour-Chef Jeremy Corbyn hat nach Angaben von „Daily Mail“ eine Urlaubssperre für die Abgeordneten seiner Partei für den September verhängt, um einen Misstrauensantrag gegen Premier Boris Johnson einzubringen.

Laut einem Geheimpapier wollen die Abgeordneten, die für einen Verbleib Großbritanniens in der EU sind, Johnson überrumpeln und zu einem Brexit-Aufschub zwingen. Ein Gesetz, das einen No-Deal-Austritt verbieten soll, könnte in letzter Minute verabschiedet werden. Als Folge könnte es entweder zu Neuwahlen in Großbritannien oder einem zweiten Referendum kommen, berichtet das Blatt.

Die EU-Kommission hat derzeit keinerlei Treffen in Sachen Brexit auf ihrer Agenda. Ein Sprecher erklärte am Montag in Brüssel, natürlich bleibe die Tür der Kommission offen, „wir stehen bereit“. Die Haltung der Kommission habe sich jedenfalls zum Brexit nicht geändert. Auf Presseberichte gebe es keine Kommentare.

Britische Diplomaten wollen sich nach einem Bericht des „Guardian“ jedenfalls bereits vor dem 31. Oktober aus der täglichen Arbeit mit der Europäischen Union zurückziehen. Kritiker warnten allerdings vor den Folgen, wenn London in keine Entscheidungsprozesse mehr eingebunden wäre. Unklar war zunächst, ab wann die Briten mit dem Rückzug beginnen könnten.

Der britische Außenminister Dominic Raab will ungeachtet des Berichts jedenfalls am nächsten EU-Ministertreffen Ende August in Helsinki teilnehmen. Die liberale britische Abgeordnete im EU-Parlament, Luisa Porritt, zeigte sich entsetzt über das Vorhaben des Rückzugs britischer Diplomaten. „Boris Johnson sabotiert unnötigerweise unseren Einfluss in Europa“, wurde sie vom „Guardian“ zitiert.

Unterdessen zeigt eine Studie, dass Briten aus Sorge vor einem ungeregelten Brexit bereits Waren im Wert von vier Milliarden Pfund (etwa 4,3 Milliarden Euro) gehortet haben. Fast jeder Fünfte habe damit begonnen, seinen Vorrat an Nahrungsmitteln, Getränken oder Arzneimitteln aufzustocken, teilte der Finanzdienstleister Premium Credit am Montag in London mit. Für die Studie wurden 1.052 Menschen befragt, die einen Job haben.

Wer hortet, versorgt sich demnach vor allem mit Lebensmitteln (74 Prozent), gefolgt von Arzneiprodukten (50) und Getränken (46). Im Falle eines EU-Austritts ohne Abkommen rechnen viele Experten mit vorübergehenden Lieferengpässen, ausgelöst vor allem durch lange Wartezeiten für Lastwagen an den Grenzen bei Zollkontrollen.

Auch viele Unternehmen fürchten Lieferengpässe. So hatte in der vergangenen Woche die britische Pizzakette Domino‘s angekündigt, ihre Vorräte aufzustocken. Rund ein Drittel der Zutaten bezieht das Unternehmen aus dem Ausland, darunter Tomatensoße und Ananas.




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