Letztes Update am Mo, 12.08.2019 20:30

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kritik von israelischem Historiker zu FPÖ-Historikerbericht



Der israelische Historiker Moshe Zimmermann äußert sich kritisch zum derzeit nur als Kurzzusammenfassung vorliegenden FPÖ-Historikerbericht. Er vermisse prominente Historiker aus Deutschland und Österreich unter den Autoren, sagte er dem „Standard“. Die Hoffnung auf ein Absegnen durch einen israelischen Experten wertet er als Alibi-Idee.

„Wenn man es ernst meint, muss man gute Leute holen, denen man hinterher nicht vorwerfen kann, dass sie nicht professionell genug gearbeitet haben“, sagte er. Richtig wäre aus Zimmermanns Sicht eine internationale Kommission mit Experten für NS-Geschichte und die Nachkriegszeit zu befassen. Die genannten Namen aus Österreich bezeichnete er als „nicht die Leuchttürme der österreichischen Historikerzunft“.

Skeptisch zeigte er sich zum Wunsch der FPÖ, den Bericht von einem israelischen Wissenschafter absegnen zu lassen. Geeignete Leute gäbe es. „Ob aber ein seriöser israelischer Historiker überhaupt bereit sein wird, mit einer von der FPÖ eingesetzten Kommission zu arbeiten? Eher unwahrscheinlich.“

Zu Mordechai „Motti“ Kedar, dessen Namen in diesem Zusammenhang genannt wurde, meinte Zimmermann: „Er ist so weit rechts, das er meines Erachtens in der Lage wäre, mit der FPÖ gemeinsame Sache zu machen. Das ist ja eine Tendenz in Israel, mit den Rechtspopulisten in Europa zusammenzuarbeiten, weil diese die israelische Regierung unterstützen.“

Die Organisation SOS Mitmensch wies darauf hin, dass der Nachname eines FPÖ-Mitarbeiters mit früheren Verbindungen zu Neonazi Gottfried Küssel in den Metadaten des Berichts herauszulesen sei. Im FPÖ-Klub wertete man den Vorwurf, der Mann habe am Bericht mitgearbeitet, auf APA-Anfrage als „lächerlich“. Die Mitarbeit habe sich darauf beschränkt, das Word-Dokument für die Präsentation in eine PDF-Datei umzuwandeln.

Die Kritik am Historikerbericht reißt indes nicht ab. In einem am Montagabend veröffentlichten Gastkommentar für den „Standard“ beklagt Co-Autor Michael Wladika, dass sein Beitrag „aus dem Zusammenhang gerissen und verkürzt wiedergegeben“ worden sei. Der Historiker und Jurist beschäftigte sich mit personellen Überschneidungen zur NSDAP. Sein unfertiger Bericht sei „von zwei Personen im Umfeld der FPÖ für den sogenannten ‚Rohbericht‘ auf zwei Seiten gekürzt“ worden, schreibt Wladika. „Dies geschah ohne mein Zutun, wobei die Herangehensweise mehr als ‚unglücklich‘ zu bezeichnen ist.“ Auch Co-Autor Kurt Scholz ging bereits auf Distanz zum veröffentlichten Papier.




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