Letztes Update am Di, 13.08.2019 11:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele: Moretti las Ostermaiers Wut-Monolog



Eine Stunde Wut, Zweifel und nicht immer ganz politisch korrekte Beschimpfungen lässt Ostermaier durch Tobias Moretti auf das Publikum herunterprasseln, und das in bester Thomas-Bernhard-Tradition, denn auch der pflegte eine ganz besondere Hassliebe zur Stadt an der Salzach.

Wer sich im Publikum sicher wähnte, wurde bald eines Besseren belehrt, denn Ostermaiers Wirt hasst nichts mehr als seine Gäste und genau das waren die Anwesenden im Restaurant auf dem Mönchsberg. Gäste, ohne feste Zuweisung um die Tische des M32 platziert, als Statisten eines Wutanfalls, den viele der Anwesenden vermutlich außerhalb der Veranstaltung schon einmal in einem echten Wirtshaus ausgelöst haben.

So beschimpfte Moretti also stellvertretend für sämtliche Gastwirte, die im Speziellen während der Salzburger Festspiele mit ihren gewetzten Messern lieber die Touristen als das Filet zerkleinern wollen, die Trinkgeld-Knauserer, Internetbewertungsschreiber und jene, die das Wirtshaus nur als „Scheißhaus“ sehen und benutzen. Solche Begriffe füllen ganze Seiten des Monologs.

Jeder bekommt sein Fett weg, und da sich Fettiges am besten mit Klarem herunterspülen lässt, leert Moretti während all der Schimpftiraden eine solche Flasche, in der sich vermutlich Wasser befand (andernfalls darf man Moretti wirklich einen übermenschlichen Schauspieler nennen, denn eine derartig klare Aussprache kann nach einem Liter Schnaps nicht einmal der erprobteste Kampftrinker vorweisen).

Außer den Gästen störte zwischendurch immer wieder eine Band aus Trompete, Posaune und Tuba rund um Joschi Öttl, der für den Monolog Arrangements auf Basis von Werken von Werner Pirchner erarbeitet hat. Die Rolle des grantigen Wirtes lebte Moretti so originell aus, dass man am liebsten bei ihm ein weiteres Glas Bier (ein alkoholisches Getränk war im Ticketpreis enthalten) bestellt hätte. Die Rolle ist Moretti auch wortwörtlich auf den Leib geschrieben, denn neben gegenseitiger Bewunderung verbinden Autor und Schauspieler auch Freundschaft.

Und so ist es auch fast etwas befremdlich, als dieser böse, schimpfende Moretti am Ende Albert Ostermaier unter tosendem Applaus in die Arme schließt. Man selbst fühlt sich gut unterhalten, aber auch ertappt, denn zu wenig Trinkgeld gegeben, eine schlechte Bewertung geschrieben oder nur nach der Toilette gefragt hat eigentlich jeder schon einmal. In dieser Hinsicht ist Ostermaiers Monolog feinstes Kabarett, zumindest dann, wenn Tobias Moretti ihn vorträgt.




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