Letztes Update am Di, 13.08.2019 12:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuerlich Proteste von Demonstranten am Flughafen Hongkong



Einen Tag nach der Blockade des Flughafens Hongkong durch Tausende Demonstranten ist es am Dienstag erneut zu Protesten gekommen. Hunderte Demonstranten setzten sich auf den Boden der Abflug- und Ankunftshalle. Gleichzeitig lief der Flugbetrieb langsam wieder an. Regierungschefin Carrie Lam stellte sich unterdessen trotz heftiger Kritik hinter die Sicherheitskräfte der Stadt.

Tausende Demonstranten hatten am Montag die Abflug- und Ankunftshalle des Flughafens belagert. Der Airport, einer der geschäftigsten weltweit und ein zentrales Drehkreuz für Langstreckenflüge über China und Südostasien, strich deshalb ab dem Nachmittag sämtliche Flüge für den Tag. Auch die AUA-Mutter Lufthansa strich mehrere Flüge. Die AUA selbst ist nicht betroffen, sie fliegt Hongkong bereits seit Oktober nicht mehr an. Am Dienstag lief der Flugbetrieb langsam wieder an, allerdings hatte allein die Fluggesellschaft Cathay Pacific 200 für Dienstag geplante Starts und Landungen gestrichen.

Nachdem am Dienstagvormittag nur einzelne, meist schwarz gekleidete Demonstranten am Flughafen zu sehen waren, wurden es am Nachmittag wieder deutlich mehr. Zu einer Totalblockade wie am Montag kam es allerdings vorerst nicht, obwohl dies das Ziel der Aktivisten war. „Wir versuchen, auch heute die Flüge zu stoppen, und genau wie gestern blockierten wir den gesamten Abflugbereich, damit Besucher oder Menschen, die versuchen, Hongkong zu verlassen, nicht abreisen können“, sagte einer der Demonstranten. Die Hoffnung sei, dass die Regierung durch die Blockade viel Geld verlieren würde.

Carrie Lam stellte sich demonstrativ hinter die Polizei, diese habe in den vergangenen zwei Monaten „große Schwierigkeiten gehabt, das Gesetz durchzusetzen“, sagte sie vor Journalisten. Lam reagierte damit auf Tausende Demonstranten, die am Vortag aus Wut über Polizeigewalt den Hongkonger Flughafen zum Erliegen gebracht hatte. Die Regierung und die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltungszone seien aber in der Lage, die politische Krise in Hongkong zu lösen.

Nach Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros in Genf hingegen hatte die Polizei bei den Demonstrationen das Leben von Protestteilnehmern gefährdet. Es gebe glaubwürdige Beweise, dass Sicherheitskräfte zum Beispiel mehrfach Tränengaskanister direkt auf Demonstranten abgefeuert hätten, teilte das Büro am Dienstag in Genf mit. Das berge „erhebliches Risiko von Todesfällen und ernsthaften Verletzungen“.

Der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, richtete indes eine Warnung an China. Er erklärte, eine chinesische Intervention in der ehemaligen Kronkolonie wäre „eine Katastrophe“, und zwar sowohl für China als auch für Hongkong. Ankündigungen Pekings, auch „andere Methoden“ anwenden zu können, wären kontraproduktiv, betonte Patten.

In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit mehr zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Proteste entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen.

Am Wochenende war es in Hongkong erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Gummigeschoße ein. Tränengas wurde auf den Straßen und erstmals auch in einer U-Bahnstation verschossen. Gewaltbereite Demonstranten warfen Steine. Die Polizei warf Regierungsgegnern vor, Einsatzkräfte mit Brandsätzen verletzt zu haben.




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