Letztes Update am Mi, 14.08.2019 14:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖBSV künftig „Werksteam“ von Top-Schlittenbauer Wallner



Der Österreichische Bob- und Skeleton-Verband (ÖBSV) hat sich für die kommende Saison und auch bereits für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking neu aufgestellt. Namhaft besetzt ist der Cheftrainer-Posten im Bob, Wolfgang Stampfer hat da im Juni das Kommando übernommen. Und im Skeleton fungiert Matthias Guggenberger nun als Letten-Coach, eine ÖBSV-Kooperation mit den Balten wird angestrebt.

Der 47-jährige Stampfer ist dreifacher Olympia-Teilnehmer und hat sich zuletzt als Trainer drei Jahre lang in Italien und fünf Jahre lang in der Schweiz einen noch besseren Namen gemacht. „Er kommt mit einem Super-Know-how und hat eine Medaille bei der nächsten Olympiade als sein großes Ziel ausgegeben“, berichtete Gerhard Rainer aus dem ÖBSV-Trainerteam am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des Verbandes in Innsbruck.

Rainer selbst ist ebenso bereits seit Jahrzehnten im Geschäft wie Johannes Wallner, der neue ÖBSV-Vizepräsident. Der Tiroler hat einen hervorragenden Ruf als Schlitten-Bauer, fuhr sozusagen auf diesem Weg schon zu etlichen Medaillen. „Ich bin vor Jahren ins Ausland gegangen, habe mit Russland und Deutschland gearbeitet. Da haben wir die letzten zwei Olympiaden fünf Medaillen gemacht, darunter drei Gold.“

Nun sei es an der Zeit gewesen, nach Österreich zurückzukommen, das Engagement u.a. von Stampfer habe ihm diese Entscheidung leichter gemacht. „Wir haben einige der besten Leute zusammengebracht, um für Österreich zu arbeiten“, meinte Wallner. „Und wir haben sehr gute Athleten, da kann man in weiterer Folge sehr große Erfolge erzielen.“ Er bleibe weiter Schlitten-Produzent, das beste Material gehe aber auf jeden Fall an die Österreicher.

„Das ist jetzt dann das Werksteam“, stellte Wallner klar. „Die anderen sind die Kundenteams. Die Leute, die im Werksteam fahren, haben eher die Chance, mit mir zu kommunizieren. Wir können im Winter zusammenarbeiten und Hundertstel herausholen. Das bringt sehr viel, weil man das Gerät einfach besser abstimmen kann.“ Das alles soll unter der Verbandsführung von Roman Schobesberger passieren. Das neue Team mit Generalsekretär Franz Huber wurde bei Neuwahlen im Juni geformt.

Eine fixe Größe ist mittlerweile Kathrin Beierl. Die Pilotin möchte in der kommenden Saison konstant in die Top Sechs fahren, baut einen Pool von jungen österreichischen Bremserinnen auf, weil ihre Anschieberin Jennifer Onasanya bei Olympia nicht für Österreich startberechtigt ist. „Wir haben drei, vier, fünf neue Mädels, die wir aufbauen wollen“, verdeutlichte Beierl. „Zwei davon werden schon bei den Rennen in der nächsten Saison dabei sein. Es wäre schon super, wenn wir an die Erfolge der letzten Saison anknüpfen können.“

Auch von Verbandsseite wird an der Nachwuchsfront bzw. nach Talenten gefischt. Stampfer soll da Entwicklungsarbeit leisten, andererseits werde nach Neueinsteigern in den Bob-Sport gesucht. „Wir wollen ab nächstes Jahr eine Tour in großen Städten machen“, erläuterte Rainer, dass es die Möglichkeit zu Anschub-Versuchen geben wird. „Beim Tag des Sports in Wien wollen wir das Finale austragen, die Besten dazu einladen.

Im Skeleton hat Guggenberger seine aktive Karriere im Sommer endgültig beendet, nimmt nun die ehrenvolle Aufgabe des Lettland-Coaches wahr. Damit hat er den zweifachen Olympia-Zweiten und vielfachen Welt- und Europameister Martins Dukurs sowie dessen Bruder Tomass Dukurs unter seinen Fittichen. Guggenbergers Lebensgefährtin Janine Flock befindet sich daher in einer Trainingskooperation mit den Letten, schätzt die daraus resultierenden neuen Reize.

„Im September geht es in Sigulda zum ersten Starttraining auf Eis, dann gibt es das erste Feedback zu allen Umstellungen, die wir im Sommertraining vorgenommen haben“, wurde die 30-Jährige in einer Aussendung zitiert. „Das Bahntraining beginnt dann Anfang Oktober ebenfalls in Sigulda.“ Flock ist als eine von wenigen dazu eingeladen worden, im nächsten März nach dem offiziellen Saisonende die Pekinger Olympia-Bahn zu testen.

Der ÖBSV strebt eine Kooperation mit Guggenberger und den Letten an. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine erfolgreiche Kooperation mit Lettland haben können“, sagte Schobesberger. Ungereimtheiten des Verbandes mit dem Duo Flock/Guggenberger seien ausgeräumt. „Es hat ein klärendes Gespräch gegeben, inzwischen ist wieder alles auf Schiene.“ Finanziell seien 80 Prozent der Altlasten abgearbeitet, in ein bis zwei Jahren will man auch den Rest in den Griff bekommen haben.




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