Letztes Update am Mi, 14.08.2019 14:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hongkonger Demonstranten entschuldigen sich bei Fluggästen



Nach zwei Tagen mit chaotischen Zuständen am Flughafen von Hongkong ist es am Mittwoch vorerst ruhig geblieben. Am Mittwochabend (Ortszeit) protestierten nur noch knapp 100 Menschen auf dem Gelände. Tagsüber hatten Demonstranten Flugzettel verteilt, auf denen sie sich bei den Touristen für die Störungen des Flugbetriebs entschuldigten.

Die Flughafengesellschaft hatte eine einstweilige Verfügung gegen Demonstranten erwirkt, um eine erneute Störung des Flugbetriebs zu verhindern. Trotzdem herrschten weiter strenge Sicherheitsvorkehrungen. Reisende mussten vor Betreten des Terminals ihre Reiseunterlagen vorzeigen. Polizisten wachten über den Check-in-Bereich.

Neben der einstweiligen Verfügung gegen Demonstranten, wurden Proteste oder Demonstrationen am Mittwoch außer in dafür freigegebenen Bereichen auf dem Gelände des Flughafens verboten. Der Flughafen ist das zentrale Drehkreuz für Langstreckenflüge über China und Südostasien.

Tausende Hongkonger hatten ihre Proteste gegen die Stadtregierung und die Polizeigewalt in den vergangenen Tagen auf den Flughafen ausgeweitet und dort mit Sitzblockaden die Passagierabfertigung massiv behindert. Sowohl am Montag als auch am Dienstag musste der Flugbetrieb deshalb vom Nachmittag an eingestellt werden. In der Nacht auf Mittwoch kam es zu schweren Ausschreitungen.

Die Entschuldigungen der Protestteilnehmer kamen ein wenig überraschend. „Meiner Ansicht nach sollten wir uns entschuldigen“, sagte der Protestteilnehmer Bruce Lee. Dennoch sollten die Reisenden über die Spannungen informiert sein, fügte er hinzu. „Die Regierung hat keine Antwort für uns. Darum müssen wir handeln, damit andere Länder und Regierungen über die Situation Bescheid wissen“, sagte er.

Chinas Regierung verglich zuvor gewaltbereite Demonstranten am Hongkonger Flughafen mit Terroristen. Die Taten einiger Protestler würden sich „nicht von den Gräueltaten von Terroristen unterscheiden“, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung des Verbindungsbüros der chinesischen Regierung in Hongkong. Ein Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde in Peking nannte den Vorfall in einer ähnlichen Mitteilung eine „annähernd terroristische Tat“.

Zwei Männer vom chinesischen Festland, darunter ein Reporter der chinesischen Zeitung „Global Times“, seien am Flughafen von Demonstranten mit Kabelbindern gefesselt, geschlagen und misshandelt worden, hieß es in der Mitteilung des Verbindungsbüros. Zuvor hatten auch Hongkonger Medien über den Vorfall berichtet. Polizisten waren in den Flughafen vorgedrungen, um die Männer nach Stunden zu befreien. Die Demonstranten hatten ihnen vorgeworfen, Agenten vom chinesischen Festland zu sein. Die Polizei nahm fünf Personen fest, damit steigt die Zahl der Inhaftierten seit Beginn der Proteste auf über 600.

Die Grenzen des Gesetzes, von Moral und menschlicher Natur seien völlig durchbrochen worden, so der Pekinger Sprecher. Die extrem gewalttätigen Verbrechen müssten streng bestraft werden. China unterstütze die Polizei und die Justiz in Hongkong.

Ein britischer Abgeordneter der Tories forderte am Mittwoch angesichts der angespannten Lage in Hongkong, den Bürgern der ehemaligen Kronkolonie die volle britische Staatsbürgerschaft zu geben. Diesen Schritt hätte sein Land bereits nach der Übergabe Hongkongs an China im Jahr 1997 tun sollen, argumentierte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament, Tom Tugendhat, laut der Zeitung „Guardian“.

Hongkonger Bürger haben bei der Rückgabe der Kronkolonie an China eine eingeschränkte britische Staatsbürgerschaft. Diese berechtigt sie, einen britischen Pass zu führen und konsularischen Beistand in Anspruch zu nehmen. In Großbritannien leben und arbeiten dürfen sie aber nicht ohne weiteres.

Hongkong wird seit der Rückgabe als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Diese Rechte sehen viele nun in Gefahr. Chinas Regierung hatte zuletzt immer energischer gemahnt, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wieder herzustellen und die Gewalt zu beenden.




Kommentieren