Letztes Update am Mi, 14.08.2019 15:29

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pakistans Premier Imran Khan besucht Kaschmir



Inmitten der neuen Spannungen mit Indien wegen Kaschmir hat Pakistans Premierminister Imran Khan am Mittwoch den von seinem Land kontrollierten Teil des Himalaya-Gebiets besucht. Es wurde erwartet, dass er anlässlich des 72. Jahrestages der pakistanischen Unabhängigkeit im Regionalparlament eine Solidaritätsbotschaft an die Einwohner des indischen Teils Kaschmirs richtet.

Zuvor hatte Pakistan angesichts des Konflikts die Länder des UNO-Sicherheitsrats um die Einberufung einer Sondersitzung gebeten. Der Entzug des Autonomiestatuts für den indischen Teil Kaschmirs berge eine „Gefahr für den Weltfrieden“, schrieb Außenminister Shah Mehmood Qureshi in einem Brief an das UNO-Gremium, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass das Thema vielleicht noch diese Woche auf die Tagesordnung gesetzt werde.

Die indische Polizei bestätigte unterdessen Proteste mit Verletzten. „Es gab ein paar wenige Verletzungen durch Schrotkugeln, die Leute wurden behandelt und dann zurückgeschickt“, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Die indischen Behörden weisen weiterhin Medienberichte zurück, wonach es in den vergangenen Tagen im Kaschmir-Tal größere Proteste gegeben habe. Journalisten können dies wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit vor Ort kaum nachprüfen. Wie der Gouverneur der indischen Kaschmir-Region, Satya Pal Malik, gegenüber der „Times of India“ erklärte, sollen mehrere Einschränkungen - auch der Bewegungsfreiheit - nach dem indischen Unabhängigkeitstag am Donnerstag gelockert werden.

Die indische Regierung hatte der Region Jammu und Kaschmir Anfang vergangener Woche den Autonomiestatus entzogen, ohne die Bevölkerung des Gebiets vorher zu fragen oder sie zu informieren. Premierminister Narendra Modi will mit der Aufhebung des Sonderstatus‘ das Kaschmir-Gebiet stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu.

Das Vorgehen Indiens hatte zu einer Krise mit Pakistan geführt, das die Region ebenfalls beansprucht. Die Erzfeinde streiten sich schon seit mehr als 70 Jahren darum. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China. Khan sagte, Pakistan unterstütze die Bürger im indischen Teil Kaschmirs bei ihrem Kampf für Freiheit. Zugleich verurteilte er die Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft und warnte, der Streit könne einen atomaren Konflikt auslösen.

Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die gesamte Herrschaft über Kaschmir, zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt.




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