Letztes Update am Mi, 14.08.2019 17:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele: „Die Empörten“ ist komisch und bitter



Zum Ende der Woche steht bei den Salzburger Festspielen mit der Premiere von Theresia Walsers Auftragswerk „Die Empörten“ auch eine Uraufführung an. Burkhard C. Kosminski inszeniert das Stück mit Silke Bodenbender in der Hauptrolle. Am Mittwoch verriet die Autorin in Salzburg, warum ihre Stücke meistens eine Leiche im Keller haben und, warum aus Kreon eine Frau wurde.

Zwei unterschiedliche Schwestern, die eine Bürgermeisterin, die andere linke Aktivistin, die sich beide nicht viel zu sagen haben, bis Letztere eine Leiche ins Rathaus schleppt, das ist die Ausgangslage. Bei der Leiche handelt es sich um den Bruder, der bei seinem Selbstmord andere mit in den Tod riss, weshalb ein Begräbnis schwer fallen wird. Nicht nur, weil Wahlen und eine Gedenkfeier für die Opfer im Rathaus bevorstehen. „In meinen Stücken gibt es meist eine Leiche. Eine Leiche ist ein besonders schmerzhafter Punkt, um den sich eine Groteske spannen kann“, so die Autorin.

Zwei Jahren nach Beginn ihres Auftragswerkes steht sie nun im Salzburger Landestheater, wo auch die Endproben für die Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart stattfinden. Seit dem Beginn gab es auch viel Wirbel um den Begriff der Empörung. „Ich habe etwas gezögert, weil der Titel dem Stück schon ein Siegel aufsetzt“, erklärt Walser.

Zwei andere Titel hat es davor gegeben: „Abendlandindianer“ und „Kreons Schwestern“. Kreon, weil ursprünglich der Antigone-Stoff dem Werk zugrunde liegen sollte, schließlich geht es bei den Salzburger Festspielen dieses Jahr um Mythen. Wie konnte es also doch so weit weg von Antigones und Kreons Konflikt gehen? „Weil ich noch andere Ambivalenzen für Kreon finden wollte. Er wird immer so kalt dargestellt. Ich habe mich gefragt, wie diese Person in einem anderen Kontext aussähe, und so entstand die Bürgermeisterin“, erklärt die Autorin.

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist eine finstere Komödie, komisch und bitter zugleich. Auch die Realität spiele mit herein. Durch diese Aktualität wurde auch der Schluss noch einmal von Autorin und Regisseur geändert. „Ja, auch wegen dem Umbruch in der aktuellen Politik. Trotzdem ist es kein Statement zur Gegenwart, aber ein Spiegel. Die Endproben sind jetzt dafür da, die Balance zu finden. So entwickelt der Text Haltung“, so Regisseur Burkhard C. Kosminski, Intendant des Schauspiels Stuttgart, der zwar zum ersten Mal in Salzburg inszeniert, allerdings schon sieben Uraufführungen von Walser auf die Bühne gebracht hat.

Auf die Frage von Bettina Hering, Leiterin des Schauspiels bei den Festspielen, was sie sich denn für ihre Uraufführung wünsche, antwortet die Autorin ganz klar: „Lacher. Ich wünsche mir viele verschiedene Arten von Lachern, denn die bedeuten immer, dass etwas beim Publikum passiert ist.“

(S E R V I C E: Theresia Walser:“Die Empörten. Eine finstere Komödie“, Uraufführung in der Inszenierung von Burkhard C. Kosminski am 18. August im Salzburger Landestheater)




Kommentieren