Letztes Update am Fr, 16.08.2019 11:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anne-Sophie Mutter spielt John Williams Filmmusikklassiker



Die große Kinoleinwand auf der kleinen Geige: John Williams, Schöpfer der Musik zu „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „Schindler‘s List“ hat seine Filmmusikklassiker für Spitzenviolinistin Anne-Sophie Mutter zu Geigenliteratur umgeschrieben. Das neue Album präsentierte die Deutsche gestern, Donnerstag, am Rande der Salzburger Festspiele. „Ich habe das Kino immer geliebt“, erzählte Mutter.

1978: Anne-Sophie Mutter, ein Teenager im Schwarzwald, sieht „Star Wars“ im Kino. „Es hat mir den Atem verschlagen“, sagt sie heute. „Natürlich die visuellen Effekte - aber auch die Musik. Wie John Williams es geschafft hat, schon in diesem ersten Film die Samen zu pflanzen für jeden einzelnen der Charaktere ist unglaublich - so konnte er die Geschichte auch musikalisch immer wieder weiterschreiben und verjüngen.“ Mit Reys Thema beginnt die CD, erstreckt sich über Yoda, Luke und Leia, aber auch zu Harry Potter‘s „Hedwig‘s Theme“ zur „Geisha“ und natürlich zu „Schindler‘s List“ - das einzige echte Geigensolostück, das Williams in seiner Filmmusik geschrieben hat. „Ich wollte es natürlich auch dabei haben“, berichtet Mutter.

Ihre Hauptaufgabe sei es aber gewesen, Williams zum Adaptieren seiner anderen ikonischen Melodien zu bewegen. Der Trick klappte über den gemeinsamen engen Freund, den im Februar verstorbenen Komponisten Andre Previn, über endlose Zusendungen deutscher Lebkuchen und mittels persönlichem Charme. „John hat einmal sehr nett über mich gesagt, ich sei vieles, aber nicht jemand, zu dem man Nein sagen kann“, lachte Mutter, die auch in Salzburg via Dirndl ihre Bereitschaft zur Charmeoffensive unter Beweis stellt.

Zu Filmmusik habe sie schon lange eine enge Beziehung - neben vielen anderen Komponisten dieses Fachs, die sie ebenfalls schätze, sei Williams aber in einer eigenen Liga. „Er schreibt großes symphonisches Repertoire, er ist tief verwurzelt in der Klassik, er bringt ein unglaubliches Wissen mit - auch für die Geige.“ Die Stücke auf der CD seien nicht einfach neue Arrangements, sondern bildeten in sich wiederum eine Einheit. Und es seien überraschend virtuose Anforderungen dabei. „Du musst ihr etwas Schweres schreiben“, habe Andre Previn von Williams verlangt - und der lieferte, insbesondere bei „Hedwigs Theme“, aus dem eine ausgewachsene Geigensuite geworden ist, die es in sich hat.

„Es ist das erste Mal, dass John so etwas gemacht hat - das empfinde ich als großes Geschenk und große Verantwortung“, versicherte Mutter. Im Zuge der Produktion entschied sich Williams auch, die Aufnahme mit dem Recording Arts Orchestra in einem traditionsreichen Studio in Los Angeles selbst zur dirigieren. Die CD erscheint am 30. August bei der Deutschen Grammophon. Am heutigen Freitag spielt Anne-Sophie Mutter mit dem West-Eastern Divan Orchestra bei den Salzburger Festspielen das Violinkonzert von Jean Sibelius sowie das ihr gewidmete Violinkonzert von Andre Previn.




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