Letztes Update am Fr, 16.08.2019 13:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens fünf Tote bei Rebellenangriffen in Myanmar



Bei einer Angriffsserie von Rebellen ethnischer Minderheiten sind im Norden von Myanmar laut staatlichen Medien mindestens fünf Menschen getötet worden. Mitglieder dreier Rebellengruppen hätten sich für die Attacken auf fünf Militär- und Regierungseinrichtungen im Teilstaat Shan und der Region um die Stadt Mandalay zusammengeschlossen, meldete die Zeitung „Global New Light of Myanmar“ am Freitag.

Die Angriffe erfolgten demnach am Donnerstag in der Früh und trafen unter anderem eine Militärakademie. Beobachter sprachen von einer „nie da gewesenen Eskalation“ im Konflikt zwischen den Rebellen und der Regierung in dem vorwiegend buddhistischen Vielvölkerstaat. Ein Sprecher der Rebellen sagte dem Nachrichtenportal „The Irrawaddy“, die Attacken seien die Antwort auf eine Offensive des Militärs gegen eine der Gruppen im Staat Rakhine gewesen.

Mehr als 30.000 Zivilisten seien vertrieben worden. Sie seien „nur der Beginn“ weiterer Angriffe, sagte Tar Phone Kyaw von der Rebellengruppe Ta‘ang National Liberation Army (TNLA) demnach. Neben der TNLA seien die Gruppen Arakan Army (AA) und Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA) beteiligt gewesen.

Die verschiedenen Ethnien kämpfen vor allem um ein eigenes Gebiet, in dem sie die Kontrolle haben. Das Militär des südostasiatischen Landes hatte ihnen zuletzt Gebiete in den Staaten Rakhine und Shan genommen. Die Armee und die Regierung um Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi werden vor allem wegen der Verfolgung der muslimischen Rohingya international kritisiert.

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF forderte deutlich mehr Hilfe für geflüchtete Kinder der muslimischen Rohingya-Minderheit. Es müsse mehr Investitionen in Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten für die rund 500.000 Kinder und Jugendlichen in den riesigen Flüchtlingslagern geben, forderte die Organisation bei der Veröffentlichung eines Berichts am Freitag.

Aus Myanmar, wo die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens ist, sind seit August 2017 mehr als 730.000 Muslime ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Das Militär und die Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stehen wegen der Verfolgung von Rohingya international schwer unter Beschuss. Die UNO spricht von Völkermord, die US-Regierung von ethnischer Säuberung.

„Für die Rohingya-Kinder in Bangladesch geht es um mehr als ums Überleben“, erklärte Henrietta Fore, UNICEF-Exekutivdirektorin. „Für ihre Zukunft ist es zwingend notwendig, dass sie eine gute Schul- und Berufsausbildung erhalten.“

In den Lagern haben 97 Prozent der Mädchen und Buben zwischen 15 und 18 Jahren nach diesen Angaben keinerlei Bildungs- oder Ausbildungsmöglichkeiten. Der Report warnt, dass ohne angemessene Lernmöglichkeiten Jugendliche großen Gefahren ausgesetzt seien. So gerieten verzweifelte junge Rohingya leicht in die Hände von Menschen- oder Drogenhändlern. Mädchen und Frauen in den Lagern seien nicht sicher vor Belästigung und Missbrauch.




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