Letztes Update am Fr, 16.08.2019 20:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rettungsschiff „Open Arms“ muss weiter vor Lampedusa warten



TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Inmitten der Regierungskrise in Rom hat das Rettungsschiff „Open Arms“ vor der italienischen Insel Lampedusa weiter auf eine Entscheidung über das Schicksal der Flüchtlinge an Bord gewartet. Der Kapitän beschrieb die Lage auf dem Schiff mit 134 Flüchtlingen am Freitag als extrem angespannt. Innenminister Matteo Salvini verweigerte dem spanischen Schiff weiterhin das Einlaufen.

Wenn keine rasche Lösung gefunden werde, dann werde die Situation an Bord „explodieren“, warnte Kapitän Marc Reig in einem Interview des spanischen Fernsehsenders TVE. Die Lage sei „unmenschlich“. Die Küste Lampedusas sei so nah, dass sich vom Schiff dorthin schwimmen lasse. Die Flüchtlinge wollten ins Wasser springen: „Sie halten es nicht mehr aus.“

Das Schiff wird von der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms betrieben. Es hat nur 180 Quadratmeter Platz und lediglich zwei Waschräume. Einige der Flüchtlinge waren nach Angaben der Organisation am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag nach Lampedusa gebracht worden, weil sie dringende medizinische oder psychologische Hilfe brauchten. Die meisten Flüchtlinge mussten aber an Bord bleiben.

Kein EU-Land hat bisher offizielle Schritte zur Aufnahme der Migranten an Bord des spanischen Rettungsschiffes „Open Arms“ unternommen, verlautete aus dem italienischen Innenministerium, nachdem Italiens Premier Giuseppe Conte die Bereitschaft von sechs EU-Mitgliedsstaaten zur Migranten-Aufnahme bekundet hatte. „Italien wartet noch, dass andere EU-Länder ihr Wort halten“, hieß es in einer Presseaussendung des Innenministeriums in Rom. Conte hatte am Donnerstag berichtet, dass Deutschland, Rumänien, Portugal, Luxemburg, Frankreich und Spanien sich an der Umverteilung der circa 130 Migranten an Bord des spanisches Schiffes beteiligen wollten.

Innenminister Matteo Salvini dementierte indes Aussagen der spanischen NGO „Proactiva Open Arms“, Betreiberin des Rettungsschiffes, laut der an Bord der Notstand herrsche und die Migranten dringend medizinische Versorgung benötigten. Von den 13 Migranten, die aus ärztlichen Gründen evakuiert worden seien, leide lediglich ein Mann an Ohrenentzündung, sagte Salvini. Der Innenminister bezog sich dabei auf Angaben des Arztes von Lampedusa, der die evakuierten Migranten untersuchte.

Ärzte des italienischen Malteserordens, die am Donnerstag an Bord des Schiffes gegangen waren, bekräftigten jedoch, dass die hygienische Lage an Bord des Schiffes dramatisch sei. Viele Migranten seien nach ihrem Aufenthalt in Libyen verwundet und würden Behandlung benötigen, hieß es.

Die „Open Arms“ ist seit Anfang August mit vor der libyschen Küste geretteten Flüchtlingen auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Ein weiteres Seenotschiff, die von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee betriebene „Ocean Viking“ mit mehr als 350 Flüchtlingen an Bord, befand sich unterdessen weiter auf dem Meer zwischen Malta und Italien. Beide Staaten verweigerten dem Schiff das Einlaufen in ihre Häfen.




Kommentieren