Letztes Update am Sa, 17.08.2019 09:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Politrock von Prophets of Rage auf dem Fequency Festival



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Die Stücke kennt man, und eigentlich auch die Themen. Aber die Prophets of Rage sind selbst im Jahr 2019 höchst aktuell unterwegs. Die US-Supergroup, die aus Mitgliedern von Rage Against The Machine, Public Enemy und Cypress Hill besteht, beschloss auf der Green Stage den zweiten Frequency-Tag - und wie! Politrock vom Feinsten sorgte für ordentlich Stimmung vor der Bühne.

Was kein Wunder war: Wer Hits wie „Testify“, „Bullet In The Head“ oder „Killing In The Name“ aus dem Köcher ziehen kann, muss sich eigentlich keine Sorgen machen. Die Rage-Klassiker aus den 90er-Jahren verfehlen ihre Wirkung auch heutzutage nicht, wissen mit markanten Riffs und einem unbarmherzigen Groove zu überzeugen und sind so ganz nebenbei immer noch wütende Anklage all dessen, was in unserer Welt ihrer Ansicht nach falsch läuft. Immerhin wurden die Prophets of Rage vor rund drei Jahren auch gegründet, um gegen Trump und Co ins Feld zu ziehen.

„Wir sind keine Nostalgieband“, stellte Gitarrist Tom Morello vor dem Auftritt im APA-Gespräch klar. Natürlich werden die Klassiker gespielt, aber: „Man muss ja auch bedenken, dass zu unseren Shows viele junge Leute kommen, die noch gar nicht auf der Welt waren, als Rage Against The Machine am Höhepunkt war. All das kennen sie erst jetzt, durch uns, durch Prophets of Rage. Aber wenn man eines von all unseren Gruppen mitnehmen kann, dann dass die Leute früher auch nicht intelligenter waren, mehr Macht oder Geld hatten als wir jetzt. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, die Welt zu ändern. Gerade der Klimawandel ist ein historisches Event von solchem Ausmaß, dass es nur heißen kann: Jetzt oder nie!“

Nicht vergessen dürfe man dabei: „Unser erste Aufgabe ist natürlich, die Leute zu unterhalten“, erklärte Morello. „In dieser fantastischen Mischung aus Hip-Hop und Rock‘n‘Roll steckt aber eine Botschaft von Ermächtigung. Und die Jugend ist unsere Hoffnung“, zeigte sich der Musiker nicht zuletzt von der „Fridays for Future“-Bewegung angetan. „Das ist wirklich eine tolle Sache. Unsere Aufgabe als Künstler muss es sein, diese Kids zu unterstützen.“

Und das heißt im konkreten Fall eben: Mehr als 20 Jahre alte Songs spielen, die an Schärfe und Pointiertheit wenig eingebüßt haben. Während die Instrumentalisten von Rage Against The Machine das Fundament lieferten, setzte DJ Lord von Public Enemy atmosphärische Akzente und lieferten sich sein Kollege Chuck D sowie B-Real von Cypress Hill an den Mikrofonen eine wahre Schlacht um die Vorherrschaft am Bühnenrand. Da mag das Durchschnittsalter zwar um die 50 liegen, aber so eine energiegeladene Show sieht man nur selten. Nur schien sich das nicht so ganz herumgesprochen zu haben, waren die Reihen doch nicht so dicht besetzt wie man vielleicht annehmen mochte. Die Vorfreude auf ein bevorstehendes Album (Morello: „Es gibt noch nichts Konkretes, aber wir arbeiten daran“) stieg dennoch.

Klotzen, nicht kleckern war zur selben Zeit das Motto auf der anderen Seite des Festivalgeländes: Auch hier handelte es sich um eine Supergroup, nur nicht aus dem Rockzirkus, sondern der Electroszene. Die drei Schweden Axwell, Steve Angello und Sebastian Ingrosso sind schon für sich genommen überlebensgroße Stars, aber zusammen wird dann eben noch ein Schäuferl mehr abgeliefert. Gottgleich standen die drei DJs über den Dingen, jeder einen Thron für sich, und spielten mit der Menge. Tanzbar war da sowieso alles, aber man musste erstmal Zeit dafür finden - denn diese Licht- und Effektshow sorgte für offene Münder.

Wer sich ein DJ-Set als statische Sache vorstellte, wurde also schnell eines Besseren belehrt, dafür gab es viel zu viele Abschnitte, die abgeackert wurden, dramaturgische Bögen, die gespannt wurden, eingängige wie sperrige Tracks, die ihren Weg auf diese Festivalbühne fanden. Dabei musste es nicht nur melodisch zur Sache gehen, auch der gerade Beat mit ordentlich Wumms wurde gerne bedient. Als Abschluss und Kontrapunkt des zweiten Tages waren Swedish House Mafia jedenfalls eine kurzweilige Angelegenheit.




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