Letztes Update am Sa, 17.08.2019 15:26

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


28 minderjährige Migranten dürfen „Open Arms“ verlassen



Die italienischen Behörden haben die Landung von 28 minderjährigen Migranten, die sich noch an Bord des Rettungsschiffes „Open Arms“ vor der Insel Lampedusa befinden, genehmigt. Die Polizei erreichte das spanische Schiff, um die Evakuierungsprozeduren zu starten, berichteten italienische Medien am Samstag. Das Vorgehen folgte einem Brief von Premier Giuseppe Conte an Innenminister Matteo Salvini.

Darin hatte sich der Regierungschef am Samstag für die Landung der Minderjährigen aus humanitären Gründen ausgesprochen. Conte bestätigte, dass sechs EU-Länder zur Aufnahme der Migranten bereit seien. Dabei handelt es sich um Deutschland, Frankreich, Rumänien, Luxemburg, Portugal und Spanien.

Die Situation an Bord des spanischen Rettungsschiffs „Open Arms“ wird Augenzeugen zufolge immer kritischer. „Jede Sekunde, die vergeht, rückt die Explosion dieser Bombe näher. Entweder jemand schneidet jetzt das rote Kabel durch und deaktiviert sie, oder die ‚Open Arms‘ wird explodieren“, warnte Kapitän Marc Reig mit Blick auf eine drohende Eskalation der Lage an Bord.

Am Samstag befanden sich noch 134 Migranten auf dem vor der italienischen Insel Lampedusa liegenden Schiff, zum Teil harren sie seit mehr als zwei Wochen auf engstem Raum aus. Die „Open Arms“ befindet sich seit Donnerstag in unmittelbarer Nähe von Lampedusa, darf wegen des harten Kurses des rechten italienischen Innenministers Matteo Salvini aber nicht anlegen.

Der spanische Fernsehsender RTVE zeigte am Samstag Bilder erschöpfter und aufgebrachter Migranten, die Land sehen, dieses aber nicht betreten dürfen. „Warum? Warum?“, rief ein Mann immer wieder. Kapitän Reig versuchte, ihn und andere resignierte Migranten zu beruhigen.

„Die Menschen verlieren die Geduld und sind sehr nervös“, sagte eine Reporterin an Bord. Es sei schwer zu ertragen, die nur 800 Meter entfernte Insel nicht betreten zu dürfen. Einige Migranten hätten gedroht, ins Wasser zu springen.

Südlich von Sizilien wartete auch das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 356 Migranten auf die Erlaubnis, in einen sicheren Hafen fahren zu können. Die Organisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen hatten diese Menschen in mehreren Einsätzen in Sicherheit gebracht.




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