Letztes Update am Sa, 17.08.2019 15:56

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pedro Costa gewann Leoparden-Jagd in Locarno



Der portugiesische Film „Vitalina Varela“ des Locarno-Rückkehrers Pedro Costa hat am Filmfestival von Locarno den Goldenen Leoparden sowie den Preis für die beste Darstellerin geholt. Die Internationale Jury unter der Leitung der französischen Filmemacherin und Schriftstellerin Catherine Breillat gab die Preisträger am Samstagnachmittag in Locarno bekannt.

Überreicht werden die Leoparden am Abend auf der Piazza Grande. „Vitalina Varela“ - so heißt auch die Hauptdarstellerin - gehörte bei Filmkritikern zu den Favoriten für den Goldenen Leoparden. Der langsame und fast ausschließlich in der Dunkelheit gedrehte Film besticht durch einen geradezu magischen Bilderrausch und die herausragende Leistung der Protagonistin.

Im Mittelpunkt steht eine 55-jährige Kapverdin, die Jahrzehnte auf einen Flug nach Lissabon wartete, aber erst drei Tage nach der Beerdigung ihres Mannes in Portugal ankommt. Dort bleibt ihr nichts anderes, als die Angelegenheiten ihres verstorbenen Mannes zu regeln und sich der tristen Realität im Armenviertel zu stellen.

Pedro Costa ist in Locarno kein Unbekannter. Der heute 60-jährige Regisseur gewann bereits 2014 mit „Cavalo Dinheiro“ einen Silbernen Leoparden für die beste Regie.

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Mit einem Spezialpreis zeichnet die Jury das südkoreanische Drama „Pa-go“ (Height of the Wave) von Park Jung-bum aus. Darin trifft eine vom Festland auf eine Insel versetzte Polizistin auf eine junge Frau, die von den Dorfbewohnern missbraucht wird.

Der Leopard für die beste Regie geht an den Franzosen Damien Manivel für „Les enfants d‘ Isadora“. Der ehemalige Tänzer zeigt darin die universelle Kraft der Kunstform anhand der Choreographie „Mother“, welche Isadora Duncan 1921 nach dem Unfalltod ihrer Kinder geschaffen hatte.

Nebst der Auszeichnung für die Schauspielerin Vitalina Varela geht der Leopard für die beste männliche Rolle an den Schauspieler Regis Myrupu für seine Darstellung des von einem unerklärlichen Fieber befallenen indigenen Wächters im Spielfilm „A Febre“ der Brasilianerin Maya Da-Rin.

Mit einer besonderen Erwähnung bedachte die Internationale Jury zwei weitere Filme: die indonesisch-malayisch-französische Produktion „Hiruk-Pikuk si al-kisah“ (The Science of Fictions) sowie das italienisch-argentinische Drama „Maternal“ über Teenager-Mütter in einem von Nonnen geführten Heim in Buenos Aires.

Keine Berücksichtigung fand der einzige Schweizer Vertreter im Internationalen Wettbewerb: Das Drama „O Fim do Mundo“ des Westschweizers Basil Da Cunha über eine Jugendgang im Lissaboner Slumquartier Reboleira.

In der Sektion Cineasti del presente geht der Hauptpreis an „Baafum Nafi“ von Mamadou Dia. Für seinen Spielfilmerstling über einen Bruderzwist erhielt der Senegalese zudem den Swatch First Feature Award, mit welchem der beste Debütfilm prämiert wird.

Den Preis für die beste Nachwuchsregie erhält der Algerier Hassen Ferhani für „143, rue du desert“. Der Spezialpreis der Jury der Sektion Cineasti del presente ging an „Ivana cea Groaznica“ von Ivana Mladenovic (Rumänien/Serbien). Bereits am Freitag wurde der Moving Ahead Award an den Film „The Giverny Document“ des US-Regisseurs Ja‘Tovia M. Gary vergeben.

In der unabhängig vom Festival programmierten Kritikerwoche ging der Hauptpreis an den ungarischen Dokumentarfilm „A letezes euforiaja“ (The Euphoria of Being) von Reka Szabo. Darin dokumentiert die Regisseurin und Choreografin die Erarbeitung eines Tanzstückes mit der Auschwitz-Überlebenden Éva Fahidi.




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