Letztes Update am So, 18.08.2019 16:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlingshelfer der Open Arms lehnen Spanien-Angebot ab



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Die Flüchtlingshelfer des Rettungsschiffs „Open Arms“ haben das Angebot der spanischen Regierung in den südspanischen Hafen Algeciras einzufahren, abgelehnt. Der Vorschlag sei angesichts der Notlage an Bord „vollkommen undurchführbar“, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms am Sonntag dem Radiosender Cope. Die Helfer fordern eine sofortige Landung in Italien.

Der Gründer der NGO, Oscar Camps, verwies im Online-Dienst Twitter darauf, dass eine Fahrt von der italienischen Insel Lampedusa - vor der sich das Schiff derzeit befindet - nach Algeciras mindestens fünf Tage dauern würde. Proactiva forderte eine sofortige Landung auf Lampedusa. Nach 17 Tagen auf See seien die Menschen nicht in der Lage, eine weitere siebentägige Reise bis nach Spanien auszuhalten, twitterte die NGO am Sonntag.

An Bord des Schiffes herrsche Notstand. Die Migranten hätten mit Verzweiflung auf die Ankündigung reagiert, dass sie in Spanien und nicht in Italien landen dürften. Einige Migranten seien ins Meer gesprungen. „Wir können die Verzweiflung der Migranten nicht mehr in Schranken halten“, erklärte Open Arms. Die Crew habe Probleme, Ruhe an Bord des Schiffes zu bewahren.

Spaniens Regierung hatte angesichts der Notlage der mehr als 100 Flüchtlinge an Bord und der „unbegreiflichen“ Blockadehaltung Italiens zuvor mitgeteilt, dass die „Open Arms“ in Algeciras anlegen dürfe. Spanien verkündete am Sonntag, dass es zur Aufnahme von 10 Prozent der Migranten an Bord des Schiffes bereit sein. Die anderen Menschen sollen auf Frankreich, Deutschland, Portugal, Luxemburg und Rumänien umverteilt werden. Frankreich erklärte sich bereit, 40 „Open Arms“-Migranten aufzunehmen.

„Die spanischen Häfen sind weder die nächsten, noch die sichersten für die ‚Open Arms‘, doch Spanien ist derzeit das einzige Land, das zur Aufnahme der Migranten bereit ist, hieß es in einem Regierungsschreiben laut der spanischen Tageszeitung „El Pais“. Laut dem Blatt könnte die Reise von Lampedusa bis Algeciras zwischen vier und sechs Tagen je nach Wetterlage dauern.

Das Schiff harrt seit Tagen vor der italienischen Insel Lampedusa aus. Italiens rechtsradikaler Innenminister Matteo Salvini weigert sich strikt, das Schiff anlegen zu lassen, obwohl sich mehrere europäische Länder zur Aufnahme von Flüchtlingen von der „Open Arms“ bereit erklärt haben.

Am Samstag ließ er nach langem Streit und nur widerwillig 27 unbegleitete Minderjährige von der „Open Arms“ an Land gehen. 105 Erwachsene und zwei begleitete Minderjährige mussten aber an Bord bleiben. Ein Teil der Flüchtlinge harrt bereits seit zwei Wochen auf dem kleinen Rettungsschiff aus. „Open Arms“-Kapitän Marc Reig hatte die Lage an Bord am Freitag als „explosiv“ beschrieben. Seit Donnerstag liegt das Schiff in unmittelbarer Nähe von Lampedusa. Jedoch weigert sich Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini strikt, die Menschen an Land zu lassen.

„Die unfassbare Reaktion der italienischen Behörden und insbesondere des Innenministers Matteo Salvini, alle Häfen zu schließen“, habe Spanien zur Öffnung von Algeciras veranlasst, heißt es in einer Mitteilung der Regierung in Madrid. Salvini reagierte auf Twitter: „Wer hart bleibt, gewinnt.“

Auf Facebook schrieb Salvini: „Spanien öffnet seine Häfen. Ich habe nicht auf Beschimpfungen und Morddrohungen reagiert. Ein anderer Minister hätte schon vor Tagen nachgegeben.“ Nach Ansicht des Lega-Chefs hätte das spanische Schiff schon von Anfang an einen Hafen in Spanien ansteuern sollen.




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