Letztes Update am So, 18.08.2019 16:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Laut Veranstalter 1,7 Millionen bei Massendemo in Hongkong



Allen Drohungen aus Peking zum Trotz sind in Hongkong am Sonntag laut Veranstalter 1,7 Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Bei der zentralen Kundgebung in der Innenstadt der ehemaligen britischen Kolonie war der Victoria-Park am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt mit Anhängern der Demokratiebewegung gefüllt. Zu der Kundgebung hatte das Bündnis Civil Human Rights Front aufgerufen.

Die Menschen ließen sich auch von heftigem Regen nicht davon abbringen, lautstark Freiheit und Demokratie zu verlangen. Bis zum frühen Abend blieb alles friedlich. Von der Polizei gab es zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl. Auch am späten Abend zogen noch Zehntausende durch die Straßen.

Der Victoria Park in der Innenstadt der ehemaligen britischen Kolonie, wo die zentrale Kundgebung stattfand, leerte sich nur langsam. Das Bündnis hatte mit früheren Protesten Pläne der prochinesischen Stadtregierung für ein Auslieferungsgesetz gestoppt. Inzwischen richtet sich der Protest zunehmend gegen Peking direkt.

Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone hat es eigentlich noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Viele fürchten nun darum. Die Demonstration galt als Gradmesser, welchen Rückhalt die Protestbewegung in der 7,5-Millionen-Einwohner-Stadt noch hat.

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Die seit zehn Wochen andauernden Demonstrationen haben die chinesische Sonderverwaltungszone in eine schwere Krise gestürzt. Die Proteste haben sich zu einer Massenbewegung für Demokratie entwickelt und immer häufiger kam es zuletzt zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Die Beamten gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Menschen vor, die Demonstranten antworteten mit Steinen und Molotowcocktails.

„Die Polizei tut völlig inakzeptable Dinge“, sagte der Demonstrant Yim. „Sie verletzen die Bürger, sie schützen uns nicht.“ Die Organisatoren hatten angekündigt, die Kundgebung werde „gewaltfrei“ und „vernünftig“ ablaufen. Dennoch trugen viele Teilnehmer in ihren Rucksäcken Laserpointer, Gasmasken, Schutzbrillen und Helme bei sich. „Wir haben unsere Ausrüstung dabei, aber wir hoffen, dass wir sie nicht benutzen müssen“, sagte ein 30-jähriger Aktivist.

Durch die Demonstrationen wurden bereits Pläne der Peking-treuen Stadtregierung für ein Auslieferungsgesetz gestoppt. Inzwischen richtet sich der Protest zunehmend gegen China. Als Sonderverwaltungszone hat es eigentlich noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte, wie Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, garantiert. Viele fürchten nun darum.

Zuverlässige Angaben von Polizei oder Veranstaltern gab es zur Teilnehmerzahl nicht. Das Bündnis rief die Menge immer wieder auf, ruhig zu bleiben. Eine der Organisatorinnen, Bonnie Leung, sagte: „Wir hoffen, dass wir der Welt zeigen können, dass Hongkongs Bevölkerung völlig friedlich sein kann.“ Als ein mächtiger Regen begann, spannten die Demonstranten ihre Schirme auf und blieben stehen. Nach Hause ging wegen des Regens niemand.

In den vergangenen Tagen hatte Peking eine massive Drohkulisse aufgebaut. Angesichts von harten Kommentaren in der staatlich gelenkten Presse und Bildern von Truppenbewegungen nahe Hongkong gibt es international Sorge vor einem militärischen Eingreifen wie 1989 bei der blutigen Niederschlagung der Demokratie-Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat sich zur Entwicklung in Hongkong noch nicht geäußert. Am 1. Oktober will die Volksrepublik ihr 70-jähriges Bestehen feiern.

Die Demonstrationen dauern nun schon mehr als zweieinhalb Monate. Die Kritik richtete sich anfangs insbesondere gegen Hongkongs prochinesische Regierungschefin Carrie Lam. Am Sonntag waren auch Plakate zu sehen, die sie mit Hitler-Bärtchen zeigten. Zudem forderten Demonstranten freie Wahlen und eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei früheren Demonstrationen. Aus der Menge wurden aber auch Rufe nach Unabhängigkeit laut.

Getragen wird die Bewegung vor allem von jüngeren Leuten. Der Großteil der Demonstranten war auch am Sonntag - wie bereits bei einem Marsch von Zehntausenden am Tag zuvor - unter 30 Jahre alt. Aus Angst vor Krawallen blieben viele Geschäfte geschlossen. Marsch und Kundgebung verliefen jedoch friedlich. In einem Park versammelten sich am Samstag auch mehrere Tausend prochinesische Gegendemonstranten. Die Polizei sprach sogar von mehr als 100.000 Teilnehmern. Daran gibt es jedoch große Zweifel.




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