Letztes Update am Di, 20.08.2019 14:30

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chaos an Bord des Rettungsschiffs „Open Arms“



Die dramatische Lage auf dem spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ spitzt sich nach mehr als zweieinhalb Wochen auf See weiter zu. Mehrere Migranten sprangen am Dienstag von Bord des vor der süditalienischen Insel Lampedusa blockierten Schiffes ins Meer und versuchten an Land zu schwimmen. Fünf von ihnen wurden nach Lampedusa gebracht. Unterdessen kündigte Spanien eine baldige Lösung an.

Die Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“ berichtete von 17 Personen, die ins Wasser gesprungen waren, um Lampedusa zu erreichen. Sie wurden von der NGO oder der Küstenwache gerettet. Einer der Migranten weigerte sich an Bord des Schiffes zurückzukehren. Wegen seines vehementen Protests wurde er nach Lampedusa geführt, berichteten italienische Medien. Andere Migranten wurden von der Küstenwache an Bord des Schiffes zurückgebracht, sprangen aber erneut ins Meer, um die rund 700 Meter entfernte Küste zu erreichen. Die Szenen wurden von Touristen gefilmt.

Der sizilianische Staatsanwalt, Luigi Patronaggio, sprach von einer „explosiven Situation“ an Bord. Es sei wichtig, die Sicherheit aller Personen an Bord des Schiffes zu garantieren. Auch der Bürgermeister von Lampedusa, Salvatore Martello, der am Montagabend an Bord des Schiffes gegangen war, erklärte sich besorgt. „Die Menschen an Bord sind verzweifelt. Viele von ihnen haben Folter während ihrer Gefangenschaft in Libyen erlitten“, so der Bürgermeister der Insel. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, bezeichnete die „Open Arms“ als „schwimmendes Konzentrationslager“.

Italien verweigert dem Schiff mit den geretteten Migranten an Bord weiter die Landung. Bereits am Sonntag waren vier Migranten ins Meer gesprungen, um zu versuchen nach Lampedusa zu schwimmen. Sie waren von Mitgliedern der Crew wieder an Bord gebracht worden.

Fast hundert Migranten befanden sich am Dienstag noch an Bord des spanischen Rettungsschiffes, das seit mehr als zweieinhalb Wochen auf See blockiert ist, weil Italien die Landegenehmigung verweigert. Am späten Montagabend hatten neun Migranten das Schiff aus Gesundheitsgründen verlassen dürfen.

Angesichts der dramatischen Lage versprach Spanien am Dienstag eine baldige Lösung für die Migranten an Bord. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles, kündigte eine Mitteilung in den „nächsten Stunden“ an, wie Madrid die Situation lösen wolle. Angesichts der humanitären Notlage an Bord dürfe niemand wegschauen, sagte Robles weiter. Der italienische Innenminister Matteo Salvini kümmere sich nicht um Menschenleben, sondern nur um seinen Wahlkampf.

Die spanische Regierung hatte dem Schiff eine Landung in einem Hafen der Balearischen Inseln angeboten, die NGO lehnte jedoch angesichts der prekären Lage an Bord die tagelange Fahrt nach Spanien ab.

Obwohl sich mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, zur Aufnahme von Flüchtlingen von der „Open Arms“ bereit erklärt haben, will der italienische Innenminister Matteo Salvini die Migranten nicht von Bord lassen.

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli, der für die Häfen seines Landes zuständig ist, erklärte sich am Montagabend bereit, Schiffe der Küstenwache zur Verfügung zu stellen, um die „Open Arms“-Migranten nach Spanien zu führen.

Unterdessen machte die EU-Kommission Druck auf die EU-Mitgliedstaaten für eine Lösung im Fall der „Open Arms“. „Wir rufen alle EU-Mitgliedstaaten und NGOs zur Zusammenarbeit auf, um den Migranten so rasch wie möglich die Landung zu ermöglichen“, so EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud.




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