Letztes Update am Di, 20.08.2019 15:43

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chaos an Bord des Rettungsschiffs „Open Arms“



Die dramatische Lage auf dem spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ spitzt sich nach mehr als zweieinhalb Wochen auf See weiter zu. Mehrere Migranten sprangen am Dienstag von Bord des vor der süditalienischen Insel Lampedusa blockierten Schiffes ins Meer und versuchten, an Land zu schwimmen. Fünf von ihnen wurden nach Lampedusa gebracht.

Die Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“ berichtete von 17 Personen, die ins Wasser gesprungen waren, um Lampedusa zu erreichen. Sie wurden von der NGO oder der Küstenwache gerettet. Einer der Migranten weigerte sich an Bord des Schiffes zurückzukehren. Wegen seines vehementen Protests wurde er nach Lampedusa geführt, berichteten italienische Medien. Andere Migranten wurden von der Küstenwache an Bord des Schiffes zurückgebracht, sprangen aber erneut ins Meer, um die rund 700 Meter entfernte Küste zu erreichen. Die Szenen wurden von Touristen gefilmt.

Der sizilianische Staatsanwalt, Luigi Patronaggio, sprach von einer „explosiven Situation“ an Bord. Es sei wichtig, die Sicherheit aller Personen an Bord des Schiffes zu garantieren. Auch der Bürgermeister von Lampedusa, Salvatore Martello, der am Montagabend an Bord des Schiffes gegangen war, erklärte sich besorgt. „Die Menschen an Bord sind verzweifelt. Viele von ihnen haben Folter während ihrer Gefangenschaft in Libyen erlitten“, so der Bürgermeister der Insel. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, bezeichnete die „Open Arms“ als „schwimmendes Konzentrationslager“.

Italien verweigert dem Schiff mit den geretteten Migranten an Bord weiter die Landung. Bereits am Sonntag waren vier Migranten ins Meer gesprungen, um zu versuchen, nach Lampedusa zu schwimmen. Sie waren von Mitgliedern der Crew wieder an Bord gebracht worden.

Fast hundert Migranten befanden sich am Dienstag noch an Bord des spanischen Rettungsschiffes, das seit mehr als zweieinhalb Wochen auf See blockiert ist, weil Italien die Landegenehmigung verweigert. Am späten Montagabend hatten neun Migranten das Schiff aus Gesundheitsgründen verlassen dürfen.

Die spanische Regierung schickt indes ein Marineschiff zum Rettungsschiff „Open Arms“. Die „Audaz“ solle die „Open Arms“ von dort bis zum Hafen von Palma de Mallorca begleiten, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung. Das Schiff werde seit der Früh nahe der andalusischen Stadt Cádiz für die Überfahrt vorbereitet. Die Regierung in Madrid halte dies für die „angemessenste Lösung“, hieß es.

Sie hatte der „Open Arms“ nach einer wochenlangen Weigerung Italiens, die Migranten an Land zu lassen, am Montag den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten. Das sind Menorca oder Mallorca. Jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, in der prekären Lage an Bord allein noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren.




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