Letztes Update am Di, 20.08.2019 16:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Briten wollen ab 1. September meisten EU-Treffen fernbleiben



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Großbritannien wird ab 1. September bei den meisten EU-Treffen nicht mehr vertreten sein. Dies geschehe, damit sich die Beamten auf „die zukünftige Beziehung mit der EU und anderen Partnern weltweit“ konzentrieren könnten, begründete die ständige Vertretung des Vereinigten Königreichs in Brüssel am Dienstag in einer Aussendung den Schritt.

Die Regierung in London hat demnach diese Woche beschlossen, dass britische Vertreter und Minister nur mehr an Treffen teilnehmen werden, an deren Diskussionsergebnissen Großbritannien ein „bedeutendes nationales Interesse“ habe, wie zum Beispiel im Bereich Sicherheit. Die Entscheidung spiegle die Tatsache wider, dass der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union am 31. Oktober nun sehr nahe gerückt sei und viele Diskussionen über die Zukunft der Union nach dem Brexit geführt würden, hieß es weiters.

Die EU bestätigte nach Erhalt des Briefes des britischen Regierungschefs Boris Johnson ihr Festhalten am sogenannten Backstop nach einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Ratspräsident Donald Tusk erklärte am Dienstag in einem Tweet, der Backstop sei eine Garantie, um eine harte Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden, bis eine Alternative gefunden sei.

„Diejenigen, die gegen den Backstop sind und keine realistischen Alternativen vorschlagen, unterstützen die Wiedererrichtung einer Grenze. Auch wenn sie dies nicht zugeben“, so Tusk. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte am Dienstag in Brüssel, Johnsons Brief habe keine konkreten Vorschläge enthalten. EU-Ratspräsident Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würden eine offizielle Antwort auf das Schreiben vorbereiten.

Die EU-Behörde setze sich für einen geordneten Brexit ein, der „im besten Interesse“ für beide Parteien sei, und sei bereit, jeden vorgelegten Vorschlag den Backstop betreffend zu analysieren, hieß es. Auf Stimmen in Großbritannien, denenzufolge ein Austritt mit oder ohne Abkommen nun in den Händen der EU liege, antwortete die Sprecherin, dass jetzt nicht die Zeit für Schuldzuweisungen sei.

Der von Johnsons Amtsvorgängerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Brexit-Vertrag sieht vor, dass keine Grenzkontrollen an der Grenze Irlands zum britischen Nordirland eingeführt werden sollen. Dies hält die EU für unverzichtbar, um neue Konflikte auf der irischen Insel zu verhindern. Allerdings müsste Großbritannien so lange Teil einer Zollunion bleiben, bis eine andere Lösung gefunden ist, die Kontrollen überflüssig macht.

Dies lehnt Johnson ab und hat nun vorgeschlagen, dass sich beide Seiten rechtlich verpflichten, keine Grenzkontrollen auf der irischen Insel einzuführen. Bis zum Ende einer Übergangsperiode sollen „alternative Vereinbarungen“ getroffen werden, die Kontrollen überflüssig machen und Teil eines künftigen Handelsabkommens wären. Wie diese anderen Verpflichtungen Großbritanniens aussehen, wurde nicht definiert.

Der britische Premier hatte angekündigt, dass sein Land spätestens am 31. Oktober die EU verlassen werde - ob mit oder ohne Brexit-Abkommen. Bisher lehnt die EU allerdings Nachbesserungen am Vertrag ab. Sollte es zu keiner Verständigung über den Backstop und in der Folge zu einem Brexit ohne Vertrag kommen, rechnen Experten mit konjunkturellen Einbrüchen.




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