Letztes Update am Di, 20.08.2019 19:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gericht auf Sizilien ordnet Landung der „Open Arms“ an



Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Agrigent hat am Dienstag die Konfiszierung des spanischen Migranten-Rettungsschiffes „Open Arms“ vor der süditalienischen Insel Lampedusa sowie die Evakuierung der Migranten an Bord beschlossen. Dies teilte der italienische Innenminister Matteo Salvini auf Facebook mit.

Die sizilianische Justiz leitete aufgrund einer Anzeige der spanischen Hilfsorganisation „Proactiva Open Arms“, die das Schiff betreibt, eine Untersuchung in Zusammenhang mit der „Open Arms“ ein, die seit Tagen vor Lampedusa darauf wartet, in den dortigen Hafen einlaufen und die im Mittelmeer aufgenommenen Migranten absetzen zu können. Nach fast drei Wochen auf See war ein Dutzend Migranten am Mittwoch ins Meer gesprungen, um bis nach Lampedusa zu schwimmen.

Der rechte Politiker Salvini beklagte eine Strategie, um die Häfen Italiens wieder zu öffnen. Er erwarte sich eine Klage wegen Amtsmissbrauchs, weil er - wie schon in früheren Fällen von Rettungsschiffen - eine Genehmigung für ein Einlaufen der „Open Arms“ verweigerte.

Der sizilianische Staatsanwalt Luigi Patronaggio hatte am Dienstag von einer „explosiven Situation“ an Bord des Schiffes gesprochen, das seit 19 Tagen auf einen Landungshafen wartete. Es sei wichtig, die Sicherheit aller Personen an Bord des Schiffes zu garantieren. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, bezeichnete die „Open Arms“ als „schwimmendes Konzentrationslager“.

Die spanische Regierung wollte indes zuvor nach eigenen Angaben ein Marineschiff zur „Open Arms“ schicken. Danach sollten die Asylsuchenden nach Palma de Mallorca gebracht werden. Die Lage auf der „Open Arms“ war nach wochenlangem Tauziehen um einen sicheren Hafen für die Migranten außer Kontrolle geraten.

Zeitweise befanden sich rund 160 Migranten an Bord, jedoch waren mehrmals Menschen in prekärem Gesundheitszustand an Land nach Italien oder Malta gebracht worden. Mehrere Frauen hatten zuvor Panikattacken und Weinkrämpfe erlitten. Auch durften zuletzt 27 unbegleitete Jugendliche in Lampedusa an Land gehen.




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