Letztes Update am Di, 20.08.2019 20:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iran-Tanker: USA warnen Mittelmeer-Häfen vor „Terror-Hilfe“



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Die USA haben Griechenland und alle Häfen im Mittelmeer gewarnt, den aus Gibraltar kommenden iranischen Supertanker nicht andocken zu lassen. Geschäfte mit dem Schiff entsprächen einer Unterstützung von Terroristen, erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Dienstag. Jegliche Unterstützung für das Schiff könne hohe Geld- und langjährige Haftstrafen nach sich ziehen, warnte er.

Der Supertanker „Adrian Darya-1“ schien zuletzt auf dem Weg in die griechische Hafenstadt Kalamata. Am Dienstag stellte das Schiff jedoch den Behörden zufolge noch keine offizielle Anfrage, um dort anzulegen. Der Tanker soll nach US-Angaben im Dienst der iranischen Revolutionsgarden stehen, die von Washington als Terrororganisation eingestuft werden.

„Wir verfolgen die Bewegungen dieses Schiffes“, sagte der US-Sondergesandte für den Iran, Brian Hook, am Dienstag in New York. Man wolle sicherstellen, dass das Öl auf dem Tanker nicht für Irans „Terrorunterstützung“ benutzt werden könne. Deshalb habe man alle Länder aufgefordert, iranischen Tankern die Durchfahrt durch nationale Gewässer und das Ankern in Häfen zu verbieten.

In der Nacht zu Montag hatte der Tanker trotz US-Interventionen nach wochenlanger Festsetzung die Hoheitsgewässer Gibraltars verlassen. Die Regierung des britischen Überseegebiets an der Südspitze der iberischen Halbinsel hatte es abgelehnt, der Anordnung eines US-Bundesgerichts auf Beschlagnahmung nachzukommen. Das Schiff war zuvor mehr als sechs Wochen in Gibraltar unter dem Vorwurf festgehalten worden, das EU-Embargo gegen Syrien zu unterlaufen. Danach hatte der Iran in der Straße von Hormus einen britischen Tanker festgesetzt.

Falls die „Adrian Darya-1“ ihren Kurs, ihre Geschwindigkeit und das Ziel Kalamata beibehält, würde sie dort voraussichtlich am Sonntag ankommen. Ob der Tanker wirklich in Kalamata anlegen wolle, sei aber offen, zumal der Hafen überhaupt nicht für solch große Schiffe ausgelegt sei, sagte der griechische Schifffahrtsminister Ioannis Plakiotakis dem Fernsehsender Skai. Griechische Marinebehörden teilten am Dienstag mit, sie verfolgten die Mittelmeer-Route des mittlerweile freigegebenen Schiffs und kooperierten mit dem griechischen Außenministerium.

Unterdessen kündigte Irans Außenminister Mohammad Jawad Zarif laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA für Freitag Gespräche mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron sowie Außenminister Jean-Yves Le Drian in Paris an. In der nächsten Woche sei außerdem ein Besuch in China geplant.

Macrons diplomatischer Berater Emmanuel Bonne hatte bereits Anfang Juli in Teheran Gespräche geführt, um ein Scheitern des internationalen Atomabkommens mit dem Iran zu verhindern. Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich im Juli 2015 der Iran, die Gruppe der fünf UN-Vetomächte, darunter Frankreich, sowie Deutschland auf ein umfassendes Atomabkommen geeinigt. US-Präsident Trump kündigte es im Mai 2018 auf.

Seit dem Ausstieg verhängte Washington eine Reihe neuer Sanktionen gegen den Iran. Der Iran antwortete unter anderem mit der Drohung, seine Uran-Anreicherung zu erhöhen und machte dies Anfang Juli wahr. Der Fall des iranischen Öltankers hatte die diplomatischen Spannungen zwischen dem Iran und westlichen Staaten weiter verschärft. Zwei Wochen nach der Festsetzung der „Grace 1“ setzte der Iran im Persischen Golf das britische Schiff „Stena Impero“ fest und hatte zuletzt mit „schwerwiegenden Konsequenzen“ bei einer dauerhaften Beschlagnahmung seines Öltankers gedroht.

US-Außenminister Mike Pompeo wollte am Dienstagnachmittag (Ortszeit) zudem im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York für die Verlängerung eines bestehenden Waffenembargos gegen Teheran und Reisebeschränkungen werben. Andernfalls würden diese Sanktionen im Oktober 2020 aufgehoben, erklärte Hook.

Die USA waren 2018 im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, das Teheran am Bau einer Atombombe hindern sollte. Seit dem Ausstieg setzen die Amerikaner Teheran mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck, um ein strengeres und auf andere Gebiete erweitertes Abkommen auszuhandeln. Um Teheran zu Zugeständnissen zu bewegen, haben die USA harte Sanktionen gegen den Iran verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen.




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