Letztes Update am Mi, 21.08.2019 11:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vuelta 2019 - Kapazunder fehlen, Drei Österreicher dabei



Ab Samstag nimmt die letzte große Rad-Landesrundfahrt der Saison 2019 Fahrt auf. Die 74. Auflage der Vuelta a Espana hat keinen eindeutigen Favoriten, einige große Namen fehlen. Mit Felix Großschartner, Gregor Mühlberger (beide Bora) und Hermann Pernsteiner (Bahrain-Merida) werden auch drei Österreicher die kletterlastige, dreiwöchige Schleife in Angriff nehmen.

Ein Blick aufs Starterfeld wirft Fragen auf: Wo sind die Stars? Christopher Froome und Tom Dumoulin kurieren Sturzverletzungen aus, Geraint Thomas fehlt genauso wie der in seiner Heimat Kolumbien feiernde Tour-Sieger Egan Bernal oder Titelverteidiger Simon Yates. Auch Mikel Landa und Vincenzo Nibali fahren nach der Italien- und Frankreich- nicht auch noch die Spanien-Rundfahrt.

Ein Showdown zweier Superstars, wie früher zwischen Froome und Alberto Contador, bahnt sich nicht an. Gut möglich also, dass es nach dem Giro d‘Italia (Richard Carapaz/ECU) und der Tour auch bei der Vuelta ein neues Siegergesicht geben wird - jenes von Steven Kruijswijk oder seines Jumbo-Lotto-Teamkollegen Primoz Roglic vielleicht. Nicht nur beim im Zeitfahren starken slowenischen Ex-Skispringer ist aber offen, wie er seine Form angesichts der WM im September aufgebaut hat.

Der britischen Vorjahresdominanz, als die Profis aus dem Königreich alle drei großen Rundfahrten holten, könnte 2019 der volle Triumph Südamerikas folgen. Denn neben dem Movistar-Duo Carapaz und 2016-Sieger Nairo Quintana zählen auch Rigoberto Uran (EF-Education First), Esteban Chaves (Mitchelton-Scott) oder der Vorjahresdritte Miguel Angel Lopez (Astana) zum engeren Favoritenkreis auf das Rote Trikot.

Insgesamt 3.272 km sind auf 21 Teilstücken zu bewältigen, darunter zum Auftakt ein Teamzeitfahren in Torrevieja und nach dem ersten Ruhetag ein 36,2 km langes Einzelzeitfahren. Die fünfte Etappe als erste von acht Bergankünften könnte einen ersten Indikator liefern, wer gute Kletterbeine hat. Ende der ersten Woche steht in den Pyrenäen Andorras die schwierige Auffahrt nach Cortals d‘Encamp auf dem Programm. Das 13. Teilstück bringt den enorm steilen Schlussanstieg nach Los Machucos - von den Einheimischen als „rampas inhumanas“ (unmenschliche Rampen) bezeichnet.

In diesen Tagen muss auch Großschartner bereit sein - für die Anstrengungen, die notwendig sind, um gemeinsam mit Mühlberger Bora-Kapitän Rafal Majka gut durch die Berge zu bringen und den polnischen Vuelta-Dritten von 2015 möglichst zu einem Platz unter den besten Fünf der Gesamtwertung zu verhelfen. Und für den eigenen Coup.

„Mein persönliches Ziel ist es, eine Etappe zu gewinnen. Ich werde sicher meine Chancen kriegen. Ich habe es ja drauf, von dem her wäre es Verschwendung, wenn ich es nicht probieren würde“, sagte Großschartner der APA - Austria Presse Agentur. Auf einer „schwer hügeligen“ Etappe sieht der Oberösterreicher seine größte Chance. „Vielleicht komme ich mit einer Ausreißergruppe durch. Aber wenn die Form stimmt, traue ich mir auch auf einer schweren Bergetappe etwas zu.“

Mit Top-Ergebnissen auf der World Tour, etwa dem Gewinn der Türkei-Rundfahrt oder Platz vier bei der Tour de Romandie, hat Großschartner heuer den Durchbruch geschafft. Er hat sich im Business einen Namen gemacht. „Jetzt kennen mich eigentlich alle“, sagte der 25-Jährige. „Viele haben sich nach meinem guten Frühjahr gedacht, dass ich Kapitän sein werde.“

Es kam anders. Großschartner ist die Helferrolle für den 29-jährigen Majka zugedacht. Als zweimaliger Bergwertungssieger der Tour de France und Olympia-Bronzemedaillengewinner 2016 hat Majka die ungleich bessere Vita. Großschartner: „Wenn mich Rafal oder das Team braucht, dann bin ich da, dann mache ich das.“

Bei der deutschen „Österreicher-Filiale“ Bora-hansgrohe fühlt er sich gut aufgehoben. „Sie wollen mich für die Zukunft aufbauen. Im nächsten oder übernächsten Jahr werde ich sicher einmal selber die Chance kriegen, aufs Gesamtklassement zu fahren.“ Die Kapitänsrolle sei unverändert das Ziel, erklärte Großschartner - „hundertprozentig“.




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