Letztes Update am Mi, 21.08.2019 19:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Athen will iranischen Öltanker „nicht unterstützen“



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Nicht zuletzt auf Druck der USA will die griechische Regierung die Reise des iranischen Öltankers „Adrian Darya-1“ nach eigenem Bekunden nicht unterstützen. Das sagte der stellvertretende griechische Außenminister Miltiadis Varvitsiotis am Mittwoch dem TV-Sender Antenna1. Der Tanker sei mit seinen mehr als 130.000 Tonnen zu groß für alle griechischen Häfen, so Varvitsiotis.

Laut Varvitsiotis war die griechische Regierung im Vorfeld von den USA „unter Druck“ gesetzt worden. Athen wolle jedoch „unter keinen Umständen den Öltransport nach Syrien erleichtern“. Nach Angaben der Website Marine Traffic steuert der Tanker die griechische Stadt Kalamata an, wo er am Montag ankommen könnte.

Das Schiff verließ Gibraltar am Sonntag. Der Tanker schien zuletzt auf dem Weg in die griechische Hafenstadt Kalamata. Eine offizielle Anfrage zum Anlegen lag nach griechischen Angaben aber zunächst sowieso nicht vor. Die Griechen argumentieren generell damit, der Hafen in Kalamata sei ebenso wie andere griechische Häfen zu klein, als dass ein derart großes Schiff dort überhaupt anlegen könne.

Der Kurs des Schiffes zieht Griechenland in den Konflikt um den Öltanker hinein. Das Schiff war zuvor mehr als sechs Wochen in Gibraltar unter dem Vorwurf festgehalten worden, das EU-Embargo gegen Syrien zu unterlaufen. Danach hatte der Iran einen britischen Tanker festgesetzt.

Am Dienstag hatte der US-Außenminister Mike Pompeo gedroht, dass jeder, der das Schiff unterstütze oder die Einfahrt in die Häfen erlaube, riskiere, mit US-Sanktionen belegt zu werden. Sollte das Schiff wieder Kurs auf Syrien aufnehmen, würden die USA alle in Einklang mit den Sanktionen stehenden Maßnahmen ergreifen, um dies zu verhindern, so Pompeo.

Das Schiff hat etwa zwei Millionen Barrel Öl geladen. Die USA sehen Verbindungen zwischen dem Tanker und den iranischen Revolutionsgarden, die von der Regierung in Washington als Terrororganisation eingestuft werden. Das Schiff war am 4. Juli von der britischen Marine vor der Küste Gibraltars gestoppt worden. Grund war der Verdacht, dass er unter Verstoß gegen EU-Sanktionen Öl nach Syrien schmuggeln sollte. Der Iran bestreitet den Vorwurf.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani verschärfte im Konflikt mit den USA den Ton und drohte erneut mit einer Blockade der Ölexportrouten im Persischen Golf. „Die Weltmächte wissen ganz genau, dass die internationalen Gewässer nicht mehr die Sicherheit wie bisher haben werden, falls Irans Ölexport komplett sanktioniert werden und auf null fallen sollte“ sagte Rouhani am Mittwoch.

„Das wäre sicherlich nicht zu ihren Gunsten.“ Die USA hatten bei der Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zum Ziel erklärt, die Ölexporte der Islamischen Republik zum Erliegen zu bringen. Der Ölexport ist die Haupteinnahmequelle des Landes und die Sanktionen könnten die gesamte Wirtschaft lahmlegen.

Die US-Sanktionen und der Druck auf den Iran gefährdeten auch die Interessen und Sicherheit der Weltmächte, sagte Rouhani bei einem Treffen mit dem Führer, Ajatollah Ali Khamenei, in Teheran. Schon vor einem Jahr hatte Rouhani erklärt: „Falls eines Tages die USA wirklich den iranischen Ölexport blockiere sollten, dann wird überhaupt kein Öl mehr am Persischen Golf exportiert.“ Würde der Iran die Straße von Hormus - die wichtigste Ölroute im Persischen Golf - schließen, wären sowohl der Ölexport der arabischen Staaten durch die Meerenge blockiert als auch die übrige internationale Schifffahrt gefährdet.

Der Ausstieg der USA aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 und die erneuerten Wirtschaftssanktionen gegen den Iran haben die Islamische Republik in eine akute Finanzkrise gestürzt. Die Landeswährung ist nur noch die Hälfte wert und die Menschen haben Angst, dass es noch schlimmer werden könnte. Rouhani nennt die US-Sanktionen „Wirtschaftsterrorismus“ und erklärt, der Iran befinde sich daher de facto in einem Krieg mit den Amerikanern.




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