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Letztes Update am Do, 22.08.2019 12:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


RA Mag. Amelie Kunczicky

Nachbars Gewächs kann für Ärger sorgen

Was tun, wenn Nachbars Pflanze auf meinen Grund hinüberragt? Wie weit muss ich Rücksicht nehmen und wann kann ich mich wehren?

Wenn Pflanzen über Grundstücksgrenzen ragen, kann dies die Nachbarschaftsbeziehungen beeinträchtigen ? und Rechtsfragen aufwerfen.

© iStockphotoWenn Pflanzen über Grundstücksgrenzen ragen, kann dies die Nachbarschaftsbeziehungen beeinträchtigen ? und Rechtsfragen aufwerfen.



Äste des Nachbarbaums ragen über mein Grundstück — kann ich von meinem Nachbarn die Beseitigung des Überhangs verlangen?

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Es gilt der Grundsatz, dass Eigentümer benachbarter Grundstücke bei der Ausübung ihrer Rechte aufeinander Rücksicht zu nehmen haben. Dazu kommt, dass das Wachsenlassen überhängender Äste an sich nicht rechtswidrig ist. Daher können Sie die Beseitigung grundsätzlich nicht verlangen. Interessanterweise haben Sie allerdings ein Selbsthilferecht.

Wie sieht dieses Selbsthilferecht aus?

Sie haben das Recht, die über die Grundstücksgrenze reichenden Pflanzenteile zu entfernen. Dabei müssen Sie fachgerecht vorgehen und die Pflanze möglichst schonen. Schonungsloses Abschneiden von Ästen, das zum Absterben oder Umstürzen der Pflanze führt, ist rechtswidrig und kann Schadenersatzansprüche auslösen.

Wer trägt die Kosten für die Entfernung des Überhangs?

Grundsätzlich haben Sie als beeinträchtigter Grundeigentümer diese notwendigen Kosten zu tragen.

Unter welchen Umständen muss sich der Nachbar an meinen Entfernungskosten beteiligen?

Der Nachbar hat die Hälfte der notwendigen Entfernungskosten zu ersetzen, wenn Ihnen durch Wurzeln oder Äste ein Schaden entstanden ist oder offenbar droht. Das könnten zum Beispiel Fälle sein, in denen Äste eines fremden Gewächses Schäden am Dach oder an der Fassade Ihres Hauses verursachen.

Was kann ich tun, wenn die Pflanze des Nachbarn die Benutzung meines Grundstücks wesentlich beeinträchtigt?

Insoweit die Einwirkungen nicht mehr ortsüblich sind und zu einer unzumutbaren Beeinträchtigung Ihres Grundstücks führen, können Sie diese untersagen. So haben Sie zum Beispiel — wenn die Sicherheit der Bewohner Ihres Grundstückes beeinträchtigt ist, größere Teile Ihres Grundstücks wegen des fehlenden Lichteinfalls unbrauchbar werden oder sonst zu einem wesentlichen Teil kein Sonnenlicht mehr in Ihr Haus oder Ihren Garten kommt — einen Unterlassungsanspruch gegen Ihren Nachbarn.




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