Letztes Update am Do, 22.08.2019 15:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


20 Jahre Haft nach Mordversuch an obersteirischem Ehepaar



Ein 55-Jähriger ist am Donnerstag nach zwei Prozesstagen im Landesgericht Leoben wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung samt anhängiger Vorstrafen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte soll seine beiden ehemaligen Arbeitgeber mit Benzin besprüht und angezündet haben. Er stritt eine Tötungsabsicht ab und sprach von einem Versehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Rumäne hatte seit 1993 immer wieder „schwarz“ in Österreich gearbeitet - häufig für das Ehepaar aus Obdach, das eine Landwirtschaft besitzt. 2018 zerstritt sich der Mann aber mit seinen Arbeitgebern. Am 10. März ging er mit einer 1,5-Liter-Plastikflasche mit Benzin und einem Feuerzeug zum Haus der Familie. In den Schraubverschluss der Flasche hatte er Löcher gemacht. Aufmerksame Nachbarn warnten die Landwirte, denn sie wussten, dass der Mann schon zuvor Probleme gemacht und seinen ehemaligen Arbeitgebern gedroht hatte.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Rumäne „kein unbeschriebenes Blatt“: Er wurde schon drei Mal wegen gefährlicher Drohung verurteilt. Einmal hatte er auch schon den späteren Brandopfern gedroht. Er hatte 2018 eine Flasche mit Benzin in ihr Haus geworfen. Damals war aber kein Feuer im Spiel, weshalb es als Drohung gewertet wurde.

Der Verteidiger führte eine Persönlichkeitsstörung seines Mandanten an. Der Rumäne habe nur „Druck auf das Ehepaar ausüben“ wollen - so wie im Jahr davor. Der Beschuldigte fühlte sich nicht schuldig. Er habe 20 Jahre für das Ehepaar gearbeitet. Sie hätten ihm versprochen, dass sie ihn privat versichern, was aber offenbar nicht geschehen ist.

Richterin Sabine Anzenberger fragte ihn am ersten Prozesstag, warum er im März eine Flasche mit Benzin mit hatte. „Ich wollte ihnen Angst machen“, beteuerte er. „Ich habe sie nicht attackiert, ich habe mich gewehrt. Sie schrien mir zu: ‚verschwind!‘“ Das Ehepaar hätte ihm mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, weshalb er kaum etwas gesehen habe. „Ich lief zur Flasche und habe damit gesprüht, aber ich weiß nicht wohin“, so der 55-Jährige.

Die Landwirtin will er nicht absichtlich angezündet haben: „Ich muss gestolpert sein und so ging das Feuerzeug an. Ich habe mich auch selbst verbrannt.“ Bei der Polizei, der Tatrekonstruktion, vor dem Gutachter und vor dem Haftrichter hatte der Rumäne allerdings stets andere Versionen vom Tathergang parat gehabt.

Die Landwirtin hatte schwere Verletzungen erlitten und schilderte am Mittwoch den Hergang anders als der Angeklagte: „Nach den Vorfällen im Vorjahr haben mein Mann und ich uns eine Gaspistole und zwei Pfeffersprays besorgt, aber die Polizei sagte, dass wir ihm nichts tun dürfen.“ Dann begann die Obersteirerin zu weinen und versuchte mit gebrochener Stimme den Ablauf darzustellen: „Mein Mann und ich waren allein zu Hause, als Nachbarn anriefen und sagten, dass der Jonny kommt. Ich wurde so nervös, ich konnte nicht den Notruf am Handy wählen.“

Die Frau sei dann mit dem Pfefferspray in der Hand Richtung Haustür: „Da hörten wir schon, wie er die Scheiben einschlug“, schluchzte sie. Als sie die Tür öffnete, habe der Beschuldigte sie mit Benzin besprüht und sie angezündet. Der Landwirt schilderte zum Teil unter Tränen, dass er die Pistole nicht laden konnte und seine Frau schreien hörte: „Ich brenn‘, ich brenn.“ Er habe nur noch rote Flammen gesehen und dann sprühte der Rumäne der Frau noch einmal gezielt Benzin entgegen. „Wenn ich den Pfefferspray nicht gehabt hätte, wären meine Frau und ich jetzt unter Umständen tot“, zeigte sich der Landwirt mit beschlagener Stimme überzeugt. Er selbst hatte bei dem Angriff Verletzungen an der Hand davongetragen.

Der psychiatrische Gutachter attestierte dem Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Zum Tatzeitpunkt war der 55-Jährige allerdings zurechnungsfähig. Die Geschworenen stimmten für schuldig: Der Rumäne wollte die Landwirtin töten und ihren Mann schwer verletzen. Außerdem hatten die Geschworenen keinen Zweifel daran, dass er auch die versuchte Brandstiftung begangen hatte. Der Richtersenat einigte sich auf 19 Jahre und einen Monat Haft. Außerdem lebten die bedingt nachgesehenen Vorstrafen des 55-Jährigen wieder auf, weshalb er nun insgesamt 20 Jahre ins Gefängnis muss. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Er wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.




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