Letztes Update am Do, 22.08.2019 15:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuneinhalb Jahre Haft für Chemnitzer Messerangriff



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Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Deutschen in der ostdeutschen Stadt Chemnitz ist der 24-jährige Angeklagte Alaa S. zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil des Landgerichts Chemnitz erging am Donnerstag wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Kurz nach der Verurteilung ihres Mandanten legten die Verteidiger Rechtsmittel ein.

Anwalt Frank Wilhelm Drücke bezeichnete das Urteil als „falsch“. Wegen der Revision der Verteidiger wird der Schuldspruch der Chemnitzer Richter nun zunächst nicht rechtskräftig.

Nach 19 Verhandlungstagen war die Kammer davon überzeugt, dass der Syrer am 26. August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker den 35-jährigen Daniel H. erstochen hat. Der mutmaßliche Mittäter ist weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag in ihrem Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren für den Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die drei Vertreter der Nebenklage gingen am Donnerstag in ihren Plädoyers über diesen Antrag hinaus und forderten eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren.

Die Verteidigung argumentierte hingegen, es gebe keine Beweise, dass Alaa S. die Tat tatsächlich begangen hatte. „Für uns ist das mitnichten ein normales Verfahren“, sagte Anwalt Frank Wilhelm Drücke. Er appellierte an die Kammer des Landgerichts, sich bei der Urteilsfindung nicht von Forderungen aus Politik, Gesellschaft oder von einem „marodierenden Mob“ beeinflussen zu lassen.

In der Folge der Messerattacke war es im Vorjahr in der Stadt zu rassistisch motivierten Übergriffen und Demonstrationen mit rechtsextremen Äußerungen gekommen, die mehr als das Verbrechen selbst die internationale Aufmerksamkeit auf Chemnitz lenkten.

Der Streit um die Frage, ob es im Zuge dieser Übergriffe „Hetzjagden“ auf Migranten gegeben habe, wurde auf deutscher Bundesebene zur Zerreißprobe für die Große Koalition aus Union und SPD - und führte letztlich dazu, dass der damalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, seinen Posten verlor.




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