Letztes Update am So, 25.08.2019 06:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Festnahmen nach Zusammenstößen mit Polizei in Hongkong



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Bei erneuten Ausschreitungen in Hongkong hat die Polizei 29 Demonstranten festgenommen. Sie gab die Zahl der Festnahmen am Sonntag bekannt, nachdem es am Abend zuvor nach einem Protestmarsch zu Zusammenstößen gekommen war.

Die Beamten setzten Tränengas ein und drängten Aktivisten zurück, die auf der Straße Barrikaden errichtet hatten. Demonstranten warfen Flaschen, Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Zudem schlugen beide Seiten mit Baseballschlägern und Schlagstöcken aufeinander ein. Andere zerstörten Straßenlaternen, die mit Überwachungskameras ausgestattet waren. Straßenbarrieren wurden mit Bambusstäben errichtet. Auch für Sonntag waren weitere Proteste geplant.

Gut zweieinhalb Monate dauern die Proteste nun schon an. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China.

Am Samstag teilte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam auf Facebook mit, sie habe sich mit einer „Gruppe von Menschen“ getroffen, um zu besprechen, wie man einen Dialog einleiten könne. An dem Treffen nahmen 19 Top-Wirtschaftsführer und Politiker teil, wie die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ unter Berufung auf mehrere Quellen berichtete.

Mehr als die Hälfte der Anwesenden soll Lam demnach dazu geraten haben, mehr Kompromissbereitschaft gegenüber den Demonstranten zu zeigen. So hätten sie Lam dazu aufgerufen, eine unabhängige Untersuchung über Polizeigewalt bei den Protesten einzuleiten und das Auslieferungsgesetz auch formell zurückziehen. Beides sind Kernforderungen der Protestbewegung.

Die Millionenmetropole gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Die Einwohner genießen daher größere persönliche Freiheiten genießen als in der Volksrepublik. Um die fürchten nun aber viele Bewohner. An der Grenze zu Hongkong wurden chinesische Sicherheitskräfte zusammengezogen.

Der Westen sollte die Demokratiebewegung in Hongkong nach Auffassung des Aktivisten Ray Wong stärker unterstützen. Es gehe darum, China deutlich den Willen zum Schutz universeller Werte und Menschenrechte zu zeigen, sagte der als politischer Flüchtling in der deutschen Stadt Göttingen lebende 25-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

„Meiner Meinung nach hat China keine Sorge, Leute in Hongkong, Taiwan und Tibet oder Uiguren zu unterdrücken, weil es keine Konsequenzen dafür (zu spüren) bekommt“, erklärte Wong. Der Aktivist beginnt zum Wintersemester ein Studium der Philosophie und Politikwissenschaft in der südniedersächsischen Universitätsstadt.

Vor einer Woche waren in der ehemaligen britischen Kolonie, die seit 1997 wieder zu China gehört, deutlich mehr als eine Million Menschen für Demokratie und Freiheit auf die Straße gegangen. In einer Video-Botschaft hatte sich Wong an die Demonstranten gewandt. Der 25-Jährige und der zwei Jahre ältere Alan Li sind die ersten Aktivisten aus Hongkong, von denen bekannt ist, dass sie in Europa politischen Schutz bekommen haben. Ihnen war die Teilnahme an gewaltsamen Protesten 2016 angelastet worden. Als sie 2017 auf Kaution auf freiem Fuß waren, setzten sie sich nach Deutschland ab. Im Mai 2018 wurden ihre Asylanträge anerkannt. Chinas Regierung protestierte gegen diese „Einmischung“.

„Zurzeit haben wir nicht genügend Kraft, das Eindringen Chinas in Hongkong zu verhindern“, sagte Wong. Er hoffe trotzdem auf Veränderungen - „wenn die freie Welt dabei zusammenarbeitet, auf China Druck auszuüben“. Als letztes Mittel seien auch Sanktionen denkbar. Er verstehe gut, dass es in der Zeit der Globalisierung schwer sei, sich von einem Land komplett zu trennen. „Die deutschen Unternehmen sind schon ziemlich abhängig von China“, meinte Wong. Doch Gleichgültigkeit führe zu menschlichem Leid.




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