Letztes Update am Mo, 26.08.2019 16:34

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei könnte bald Bodentruppen nach Syrien senden



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Die Türkei ist nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu einem baldigen Einsatz von Bodentruppen im Norden Syriens bereit. „Wir gehen davon aus, dass unsere Bodentruppen bald in die Region eindringen werden“, sagte Erdogan laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

Zwar hätten diplomatische Mittel Priorität, sein Land sei aber auch zum Handeln bereit, sollte es sich dazu gezwungen sehen, so der Präsident weiter. Die USA und die Türkei hatten sich Anfang August auf die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone in Nordsyrien geeinigt. Bisher sind aber nur wenige Details bekannt. Die Türkei wünscht sich entlang der Grenze ein Gebiet unter ihrer alleinigen Kontrolle, aus dem sich kurdische Truppen zurückziehen sollen. Die Gegend wird bisher von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert, die von Ankara als Terrororganisation betrachtet wird. Für die USA ist sie dagegen ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Nach Angaben Ankaras haben die beiden Länder ein Koordinationszentrum für die Zone schon in Betrieb genommen und haben mit gemeinsamen Helikopterflügen über der Region begonnen. Er hoffe, künftig werde niemand mehr versuchen, die Türkei daran zu hindern, das türkisch-syrische Grenzgebiet von Terroristen zu befreien, so Erdogan weiter.

Am Dienstag nimmt die Türkei indes weitere Komponenten des umstrittenen russischen Raketenabwehrsystems S-400 entgegen. Es handle sich um die ersten Lieferungen für die zweite Batterie, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Verteidigungsminister Hulusi Akar berichtete.

Die erste Batterie war ab Mitte Juli mit einer Serie von Transportflügen aus Russland auf einer Luftwaffenbasis in Ankara angekommen. Das hatte schwere Spannungen mit den USA ausgelöst. Die US-Regierung betrachtet den Einsatz russischer Militärtechnologie im NATO-Luftraum als Gefahr - vor allem für den neuen US-Tarnkappenjet F-35. Die Türkei sollte selbst viele F-35 bekommen und war auch am Bau beteiligt. Die USA warfen die Türkei daraufhin aus dem F-35-Programm. Andere vom US-Kongress und US-Verteidigungsministerium angedrohte Sanktionen blieben aber zunächst aus.

Die S-400 ist ein mobiles Luftabwehrsystem, das Flugzeuge, Geschoße und andere Objekte aus dem Himmel schießen kann. Die Einheiten, die üblicherweise aus mehreren Raketen, einem Radar und einem Gefechtsstand bestehen, können per Lastwagen transportiert werden. Die S-400 kann mit Kurz-, Mittel- und Langstrecken-Raketen arbeiten.

Das Milliardengeschäft mit Russland und die aus mehreren Gründen angespannten Beziehungen mit den USA hatten die Sorge ausgelöst, dass die Türkei sich vom Westen abwenden könnte. Die türkisch-russischen Beziehungen sind allerdings auch nicht harmonisch. Hier geht es derzeit vor allem um Nordsyrien und das Vorrücken syrischer Regierungstruppen in Gegenden, in denen die Türkei Beobachtungsposten hat.

Am Dienstag wird Erdogan zu einem Treffen mit dem russischen Wladimir Putin nach Moskau reisen. Russland ist Syriens Schutzmacht. Die Türkei unterstützt in dem Bürgerkrieg die Rebellen. Die Spannungen zwischen den Ländern steigen, seitdem in Nordsyrien Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad in das letzte große Rebellengebiet um die Provinz Idlib vorrücken. Die Türkei hat dort Beobachtungsposten. Einer soll mittlerweile eingekesselt sein. Erdogan sieht die Angriffe in Idlib als eine ernste Bedrohung für die nationale Sicherheit der Türkei.




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