Letztes Update am Di, 27.08.2019 12:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tigerbabys nach Abnahme aus Privatwohnung in NÖ gestorben



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Jene zwei Tigerbabys, die am 8. August von den Behörden aus einer Privatwohnung geholt und dem Tiergarten Schönbrunn zur Pflege übergeben worden waren, sind gestorben. Ihr Zustand habe sich plötzlich und unerwartet extrem verschlechtert gehabt, teilte der Zoo mit. Der Prozess gegen eine 34-Jährige, in deren Wohnung sich die Tiere befunden hatten, findet am 14. Oktober statt.

Bei der Ankunft im Tiergarten waren sie erst wenige Tage alt, winzig klein und völlig hilflos. Trotz Rund-um-die-Uhr-Pflege haben es die Tiger-Jungen „leider nicht geschafft“, bedauerten die Zoo-Verantwortlichen. „Am Anfang hat uns ihre Entwicklung noch optimistisch gestimmt“, sagte Zootierarzt Thomas Voracek. „Sie haben brav getrunken und an Gewicht zugenommen.“

Die Jungtiere hätten einen sehr schlechten Start ins Leben gehabt. „Viel zu früh mussten sie ohne ihre Mutter aufwachsen.“ Die Raubkatzen waren nach einem Hinweis in der Badewanne einer 34-Jährigen in Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) entdeckt worden. Die Frau, die laut ihrer Aussage in der Slowakei Tiger in einer Anlage betreut, gab an, den Jungen sei es zuvor noch schlechter gegangen. Sie habe die Tiere vorübergehend mitgenommen, um sie besser pflegen zu können.

Angeblich seien die Tiger am 1. August zur Welt gekommen, sagte Voracek. „Über alles, was war, bevor sie von uns übernommen wurden, wissen wir aber nichts. Vieles war für uns nicht einschätzbar.“ Schon deshalb wurden sie in einer Quarantänestation untergebracht. Das vom Besucherbereich abgesonderte Gebäude beim Schönbrunner Wirtschaftshof verfügt über Desinfektionsteppiche und -schleusen, eigene Sanitär- und Belüftungsanlagen. Mit dem Leiter des Katzenreviers, der über jahrelange Aufzuchterfahrung verfüge, hatten sie eine permanente Betreuungsperson zur Verfügung.

Zu retten waren die Tiger trotzdem nicht. „Tiere in diesem Alter haben sehr wenig bis keine Reserven“, gab der Zoo-Veterinär im APA-Gespräch zu bedenken. Das eine Junge sei am Samstag überraschend gestorben. Der Zustand des zweiten Tigers habe sich seit der Nacht auf Sonntag immer mehr verschlechtert, trotz intensiver Therapie. „Zuvor hatte er noch getrunken. Es war völlig unerwartet“, schilderte Voracek. Das Jungtier wurde schließlich eingeschläfert. Die Ursachen kann eventuell die pathologische Untersuchung klären.

Die 34-jährige Slowakin muss sich am 14. Oktober vor dem Landesgericht Korneuburg verantworten. Der Frau drohen wegen des Verstoßes gegen Paragraf sieben des Artenhandelsgesetzes bis zu zwei Jahre Haft, teilte ein Gerichtssprecher auf APA-Anfrage mit. Das Gesetz regelt die Ein- und Ausfuhr wild lebender Arten. Tierquälerei wurde bei der Unterbringung in der Privatwohnung nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht festgestellt.

„Es ist sehr traurig, dass es die Tiger nicht geschafft haben. Wir möchten uns beim Tiergarten Schönbrunn und seinem engagierten Team dafür bedanken, dass er die beiden Tiere in seine professionelle Pflege übernommen hat“, sagte der Bezirkshauptmann von Bruck an der Leitha, Peter Suchanek. „Mit dem Ableben der beiden Tigerjungen musste leider gerechnet werden“, meinte der Präsident der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, Heli Dungler. „Sie waren schließlich viel zu früh von ihrer Mutter getrennt worden, es fehlten ihnen daher ganz wichtige Grundlagen zur Bildung eines starken Immunsystems.“

Für Dungler stellen sich vor allem Fragen zu jener slowakischen Station, von der die Tiere stammen sollen. „Es muss transparent gemacht werden, wohin letztendlich die vielen Jungtiere, die in der Tigerfarm geboren werden, eigentlich kommen.“ Oft würden in Europa gezüchtete Tiger zunächst als Touristenattraktion missbraucht, dann illegal nach Asien verbracht, wo sie für traditionelle Arzneimittel verwendet würden. Das Züchten und Handeln ist in der EU erlaubt, Vier Pfoten fordert ein Verbot.

Dass Schönbrunn die Jungkatzen zur Pflege vorübergehend aufgenommen hatte, war übrigens eine Ausnahme. „Normalerweise tun wir das gar nicht, aus Sicherheitsgründen für unseren Tierbestand“, erläuterte Voracek.




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