Letztes Update am Di, 27.08.2019 21:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gerichtstermin mit mutmaßlichen Opfern trotz Epstein-Suizids



Obwohl sich Jeffrey Epstein das Leben genommen hat, haben Opfer des mutmaßlichen Sexualstraftäters ihrem Ärger und ihrer Trauer vor Gericht Ausdruck verliehen. Die Anhörung am Dienstag in New York war eigentlich nur zur formalen Einstellung der Anklage gedacht, doch Richter Richard Berman lud auch mutmaßliche Opfer ein, ihre Geschichten und Gefühle zu teilen.

Eine der Frauen sagte dem Nachrichtensender NBC zufolge vor Gericht, Epsteins Suizid habe ihr die Chance „geraubt“, ihn „von Angesicht zu Angesicht“ im Gerichtssaal zu stellen. Dass er sich getötet habe, mache ihn zu einem „Feigling“.

„Er konnte nicht verstehen, was er uns genommen hat“, sagte eine andere Betroffene. „So wie ich jedes Mädchen bin, dem er das angetan hat, sind diese ich. Heute stehen wir zusammen.“ Eine dritte Frau las einen Brief vor, den sie an Epstein geschrieben hatte: „Ich werde nie in der Lage sein, die überwältigenden Gefühle und die Verlegenheit dieses Dramas zu überwinden.“ Insgesamt wurden vor dem New Yorker Gericht Beiträge von etwa 30 mutmaßlichen Opfern erwartet.

Epstein hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte. Der bestens vernetzte Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift hatte der Multimillionär zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring aufgebaut.

Die Staatsanwälte betonten laut NBC, dass trotz der Einstellung der Anklage gegen den Toten weiter gegen Beteiligte an den ihm vorgeworfenen Verbrechen ermittelt wird. Medienberichten zufolge dürften sich die Untersuchungen vor allem auf die langjährige Partnerin von Epstein, Ghislaine Maxwell, konzentrieren.




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