Letztes Update am Mi, 28.08.2019 10:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich bei WM noch unplatziert - Damen-Trainer gesucht



Österreichs Judoka warten bei den Weltmeisterschaften in Tokio weiterhin auf eine Platzierung, die drei Teilnehmer am Mittwoch schieden wie jene zwei am Vortag frühzeitig aus. Die Hoffnungen ruhen nun vor allem noch auf Michaela Polleres (bis 70 kg/Donnerstag) und Stephan Hegyi (über 100 kg/Samstag), Österreichs in der Weltranglisten als Vierte und Elfter bestplatzierte Athleten.

Kathrin Unterwurzacher musste sich am Mittwoch im Nippon Budokan in der Klasse bis 63 Kilogramm nach einem Freilos der Chinesin Tang Jing geschlagen geben, ihre Klassenkollegin Magdalena Krssakova unterlag nach einem Sieg über Estefania Garcia aus Ecuador Kiyomi Watanabe von den Philippinen. Shamil Borchashvili gewann in der Klasse bis 81 kg nach einem Freilos gegen den Polen Damian Szwarnowiecki und verlor anschließend gegen Sharofiddin Boltabojew aus Usbekistan.

Während die Kollegen das frühe Ausscheiden gefasst hinnahmen, flossen bei Unterwurzacher viele Tränen. So viel war in letzter Zeit zusammengekommen und nach zwei Kreuzbandverletzungen (Riss und Einriss) hatte sie auf den Turnaround gehofft. „Eine kleine Unachtsamkeit im Judo kostet oft leider den Sieg“, sagte die Tirolerin. „Die letzten Turniere sind in letzter Zeit nicht gut gelaufen. Und drei Wochen vor der WM zu erfahren, dass der Trainer weg ist, ist auch blöd. Das reißt dich aus den Rhythmus raus. Es ist scheiße, aber die Trainer hier haben alles gegeben. Ich kann nicht sagen, dass mir was gefehlt hat. Ich kann nicht die Schuld auf jemand anderen schieben.“

Nicht so lange Zeit lassen will sich der heimische Verband mit der Nachbesetzung des Postens des österreichischen Nationalteamtrainers, denn in Hinblick auf Olympia 2020 und die Heim-WM 2021 in Wien (Flagge wird in Tokio an Österreich übergeben, WM-Finanzierung noch nicht ganz geklärt) sollten die Weichen rasch gestellt werden.

Mit 1. August trennte sich der Österreichische Verband (ÖJV) von Damen-Nationalteamtrainer Marko Spittka, seitdem ist man auf der Suche. „Wir führen mit zahlreichen Personen Gespräche. Es ist noch offen, ob es eine nationale oder internationale Lösung gibt“, sagte dazu Sportdirektor Markus Moser.

Unterwurzacher arbeitete zwölf Jahre mit Spittka zusammen, er war schon vor dem Verbandsposten ihr Trainer und auch jener von Bernadette Graf. Die beiden trifft der Abgang am härtesten in der Damen-Mannschaft, andere Kämpferinnen erhoffen sich indes von der Veränderung neuen Input. Ungereimtheiten mit den Teamkollegen gäbe es aber nicht, erklärte Unterwurzacher in Tokio, man habe sich ausgeredet, es herrsche ein gutes Klima im Team. Nichtsdestotrotz hofft sie auf eine Rückkehr Spittkas. „Mir und Bernie fehlt er sehr. Aber vor der WM haben wir gesagt, wir müssen das Thema beiseiteschieben, sonst sind wir nicht fokussiert. Danach wird es Gespräche geben.“

Das Olympiaticket hat sie nicht abgeschrieben, aber zuerst müsse sie einmal selbst in Form kommen und sich qualifizieren. „Dann sieht man weiter.“ Pro Gewichtsklasse gibt es nur einen Platz pro Nation, mit Krssakova hat Unterwurzacher eine Kontrahentin im eigenen Lager, die derzeit auch besser platziert ist. Krssakova blieb bei der WM unter den Erwartungen, war aber mit einer Seitenbandverletzung im Knie gehandicapt. „Die Vorbereitung auf die WM hat nicht so funktioniert. Erst in Japan habe ich wieder Wettkampfsimulation gemacht. Meinen Stil habe ich auch etwas umstellen müssen, ich konnte nicht so gut mit den Beinen arbeiten.“

Den Schlusspunkt für Österreich in den Einzelbewerben setzt am Samstag Schwergewicht Hegyi. Auch wenn mit Teddy Riner der zehnfache Weltmeister und Superstar der Judo-Szene fehlt, wird die Aufgabe nicht einfacher. Denn bereits in der Auftaktrunde wartet mit Ushangi Kokauri aus Aserbaidschan der Vize-Weltmeister, den der 21-jährige Österreicher allerdings beim bisher erstem Aufeinandertreffen zuletzt bei der EM in Minsk im Bronzekampf geschlagen hat.

Das gibt dem Über-100-Kilogramm-Kämpfer natürlich Zuversicht für seine Aufgabe. „Die Auslosung ist nicht schlecht, ich freue mich aufs Kämpfen und bin sehr motiviert. Ich weiß, wie ich in den Kampf reingehe, werde versuchen, ihn einzuschüchtern. Die Taktik weiß ich“, sagte der Athlet von SC Hakoah Wien in Tokio. Als Einstimmung kommt er jeden Tag ins Nippon Budokan und unterstützt dort seine Teamkollegen.

Eine davon ist Sabrina Filzmoser, die mit 39 Jahren die Älteste im ÖJV-Nationalteam ist und im Juli als Dritte im Grand Prix von Budapest zur ältesten Athletin weltweit wurde, die je in einem IJF-Bewerb auf dem Stockerl stand. Die vielen Glückwünsche hätten sie gehrt, ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Alter und der Leistung.

Von der Auftaktniederlage am Dienstag lässt sie sich auf dem Weg zu den Sommerspielen 2020 nicht abbringen. „Ich wusste, dass es hart wird. Schade, dass ich keine Punkte gemacht habe. Aber das verändert nichts, ich lasse den Kopf nicht hängen. Ich werde weiterhin versuchen, die notwendigen Punkte zu holen.“ Bis 31. Mai ist dafür noch Zeit, der Internationale Verband (IJF) verlängerte die Frist bis nach dem Masters in Katar.




Kommentieren