Letztes Update am Mi, 28.08.2019 11:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖVP setzt in erster Plakatwelle ganz auf „Kanzler Kurz“



Die ÖVP hat ihre erste Plakatwelle für den Wahlkampf zur Nationalratswahl präsentiert. Im Zentrum steht dabei ÖVP-Chef Sebastian Kurz, der in Situationen „aus dem echten Leben“ gezeigt wird. Das sagte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer am Mittwoch. Er versprach einen „kurzen, aber intensiven Wahlkampf“ der Volkspartei und betonte erneut, dass der „Weg der Veränderung“ fortgeführt werden soll.

Nehammer berichtete von den ersten Stationen der Österreich-Tour der Volkspartei und des Ex-Kanzlers. Die Stimmung sei gut, den Türkisen wurde von der Bevölkerung laut seinen Angaben „sehr viel Rückhalt signalisiert“. Der Tenor bei den Veranstaltungen sei eindeutig, sagte er. „Die Menschen prägt ein ganz starkes Motiv, wenn sie mit ihm (Kurz, Anm.) sprechen“, sagte Nehammer und berichtete weiter: „Die Leute wollen ihren Kanzler, sie wollen Sebastian Kurz zurück.“

Das will sich die ÖVP nun zunutze machen und spinnt den Personenkult um Sebastian Kurz auch auf den Wahlplakaten weiter. „Einer, der am Boden bleibt“ steht da etwa auf einem Plakat, das Kurz mit einem kleinen Kind auf dem Rücken zeigt. Weiters dargestellt wird Kurz als „einer, der unsere Sprache spricht“ - im Hintergrund ist er mit Anhängern bei einer seiner Wanderungen zu sehen. Als „einer, der auf unsere Werte schaut“ sitzt Kurz mit älteren Menschen beim Heurigen. Dieses Sujet spiele unter anderem auf den Kampf gegen den politischen Islam an, nannte Nehammer ein inhaltliches Begehren der ÖVP.

Als „einer, der in Europa Stärke zeigt“, geht Kurz auf einem der vier Plakate beinahe im Blitzlichtgewitter unter. Auf jedem der Sujets, die ab sofort etwa 2.000 Mal in ganz Österreich affichiert werden sollen, ist zu lesen: „Das ist mein Kanzler.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Laut Nehammer wurden für die Plakate keine Fotoshootings gemacht, die Szenen seien alle „aus dem echten Leben“ von Sebastian Kurz. Eine zweite Plakatwelle werde es im Lauf des Wahlkampfs auch noch geben, dazu wollte Nehammer aber noch nichts verraten. Die Wahlkampfkostengrenze solle auf jeden Fall eingehalten werden, versprach der Generalsekretär.

Eine Ähnlichkeit mit FPÖ-Plakaten - etwa beim Sujet „Einer, der unsere Sprache spricht“ - wies Nehammer umgehend zurück und konterte mit einer Gegenoffensive. „Es gibt eine Großdruckerei im Raum Wien, die die Plakatsujets druckt“, so Nehammer. „Offensichtlich haben einige in der Freiheitlichen Partei geglaubt, sie sind ganz schlau und machen ein Foto und kommunizieren den Spruch“, führte er seinen Verdacht weiter aus, um anzumerken: „Eines ist unmöglich: Den gleichen Spruch zu haben und den noch auf das Plakat zu bringen.“ Das gehe sich von der Zeit her einfach nicht aus, erklärte Nehammer. Für ihn der logische Schluss: „Hier dürfte es einfach so gewesen sein, dass man das Plakat von uns gesehen hat - und offensichtlich hat der Spruch so gut gefallen, dass die FPÖ ihn jetzt auch übernehmen wollte.“

Die FPÖ hingegen drehte den Spieß um und warf der ÖVP am Mittwoch vor, „schamlos“ freiheitliche Slogans zu kopieren. „Nachdem Sebastian Kurz im letzten Wahlkampf und auch jetzt wieder die FPÖ-Themen kopiert hat, nehmen seine Werber nun sogar deutliche Anleihen bei FPÖ-Slogans“, wunderte sich FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker.

Bereits 1999 habe Herbert Kickl für Jörg Haider eine Nationalratswahl-Kampagne mit Slogans wie „Einer, dessen Wort zählt“, „Einer, der zuhören kann“ oder „Einer, dessen Handschlag gilt“ entwickelt. Auch später griff die FPÖ auf ähnliche Slogans zurück - etwa mit HC Strache in der Wiener Kampagne 2015 mit „Der Einzige, der unsere Sprache spricht“. Das stellten die Freiheitlichen in einer Aussendung klar. Für den aktuellen Wahlkampf habe die FPÖ eine Social-Media-Kampagne, deren Slogans zum Beispiel lauten „Einer, der unsere Sprache spricht“ (Herbert Kickl) oder „Einer, der unsere Werte noch lebt“ (Norbert Hofer).

„Inhaltlich packt Kurz mit dem Kampf gegen den politischen Islam und einem weiterreichenden Kopftuchverbot im Wahlkampf erneut - wie schon 2017 - freiheitliche Themen aus“, beschwerte sich Hafenecker. „Jetzt geht man mit den Plakatslogans noch einen Schritt weiter.“




Kommentieren