Letztes Update am Mi, 28.08.2019 17:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Polizist schoss Bewaffneten in Wien nieder: Lebensgefahr



Ein Wiener Polizist hat in der Nacht auf Mittwoch in Wien-Simmering einen 39-Jährigen in einer Asylunterkunft niedergeschossen, nachdem dieser mit einem Messer auf den Beamten zugelaufen war. Der afghanische Staatsbürger wurde laut Polizei mehrfach im Oberkörper getroffen. Am späten Nachmittag schwebte er weiter in Lebensgefahr. Er befand sich im künstlichen Tiefschlaf in einem Wiener Spital.

Der 39-Jährige war mit einem 40-jährigen iranischen Staatsbürger in der von der Diakonie betriebenen Unterkunft im Bezirksteil Albern in Streit geraten. Dabei soll er ein Stanleymesser gezückt und seinen Kontrahenten damit bedroht haben. Die Polizei wurde gegen 2.45 Uhr alarmiert. Kurz vor dem Eintreffen der Beamten schien die Auseinandersetzung laut einer Sprecherin der Diakonie beigelegt, eskalierte dann aber aus bisher nicht geklärten Gründen erneut.

Der 39-Jährige lief laut Polizei gezielt auf die Beamten zu, als er diese sah. Er habe mehrfache Aufforderungen, stehen zu bleiben und das Messer wegzulegen, ignoriert, betonte Polizeisprecher Daniel Fürst. Daraufhin griffen die Polizisten zum Pfefferspray, doch auch das zeigte keine Wirkung. So zog ein Polizist die Dienstwaffe, schoss mehrmals auf den 39-Jährigen und traf ihn im Oberkörperbereich. Wie viele Schüsse genau abgegeben wurden, war am Nachmittag noch Gegenstand von Untersuchungen. Der Mann sank verletzt zu Boden.

Unmittelbar nach den Schüssen leisteten die Beamten laut Polizei Erste Hilfe. „Vor Ort waren die Verletzungen lebensgefährlich“, stellte Daniel Melcher, Sprecher der Wiener Berufsrettung, klar. Zunächst hatte es geheißen, der 39-Jährige schwebe nicht in Lebensgefahr. Das wurde aber später revidiert. Zur Unterstützung waren Wega-Beamte alarmiert worden. Sie trafen kurz nach den Schüssen am Einsatzort ein und übernahmen die Erste-Hilfe-Maßnahmen. Der 39-Jährige wurde von der Rettung versorgt und in den Schockraum eines Spitals gebracht.

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Wie in derartigen Fällen üblich wird der Schusswaffengebrauch untersucht, und zwar nicht von jener Landespolizeidirektion, in deren Zuständigkeitsbereich die Schussabgabe gefallen ist. In der vorliegenden Causa hat laut Fürst das steirische Landeskriminalamt die Untersuchung des Falles übernommen.

In den Jahren 2012 bis 2018 haben österreichische Polizisten 37 Mal auf Menschen geschossen. Dabei wurden sechs Menschen getötet, zwölf schwer und einer leicht verletzt. Das geht aus Zahlen des Innenministeriums hervor. Dabei geht es um Gebräuche der Dienstpistole oder des dienstlichen Sturmgewehres.

In diesem Zeitraum benutzten heimische Polizisten pro Jahr von 56 Mal (2018) bis 82 Mal (2013) ihre Dienstschusswaffen. Mit zwei Ausnahmen schossen sie dabei pro Jahr höchstens fünf Mal gezielt auf Menschen. Ausreißer waren die Jahre 2013 und 2016, als sie die Waffen jeweils neun Mal gezielt gegen Menschen einsetzten.

2013 erschoss ein Wilderer drei Polizisten und einen Sanitäter in Annaberg (Bezirk Lilienfeld). 2016 tötete ein Supermarkträuber in Wien-Penzing einen Polizisten und wurde selbst von der Exekutive erschossen. Das Innenministerium merkte in diesem Zusammenhang zur Zählweise an, dass es als zwei Schusswaffengebräuche gezählt wird, wenn zwei Polizisten ihre Waffe gegen denselben Menschen einsetzen.




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