Letztes Update am Mi, 28.08.2019 22:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimaaktivistin Greta Thunberg ging in New York an Land



Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zwei Wochen nach dem Start ihrer Segelreise über den Atlantik an ihrem Zielort New York angekommen. Die 16-Jährige betrat am Mittwochnachmittag (Ortszeit) vor Hunderten Schaulustigen, jungen Aktivisten und Medienvertretern zum ersten Mal in ihrem Leben US-Boden.

In der Hand hielt sie dabei ihr berühmt gewordenes Protestschild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik fürs Klima). In Deutschland war es wegen der Zeitverschiebung zum Augenblick ihrer Ankunft bereits kurz nach 22.00 Uhr.

In Übersee erwarten Thunberg unter anderem der UN-Klimagipfel in New York im September sowie die Weltklimakonferenz in Chile im Dezember. Am 14. August war sie im südenglischen Plymouth zu ihrem großen Transatlantik-Törn auf der Rennjacht „Malizia“ aufgebrochen. Der norddeutsche Segelprofi Boris Herrmann und sein Co-Skipper Pierre Casiraghi brachten sie über den Großen Teich. Mit an Bord waren auch Thunbergs Vater Svante und ein Filmemacher, der die Reise nach Amerika dokumentiert.

Die junge Schwedin überstand die Tage auf offener See bei teils heftigem Wellengang recht gut, wie regelmäßige Botschaften von ihr auf Twitter, Instagram und Facebook zeigten. Der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ sagte sie kurz vor ihrer Ankunft: „Ich bin nicht ein einziges Mal seekrank geworden. Es war einfach schön, hinaus aufs Meer zu kommen und man selbst zu sein, abgekoppelt von allem und allen.“ Es sei besonders schön gewesen, Delfine und das gesamte Meeresleben zu sehen.

In ihrer vorerst letzten Nacht auf dem Meer hatte Thunberg am Mittwoch auf Twitter geschrieben: „Land!! Die Lichter von Long Island und New York City voraus.“ Das Segelboot ankerte dann zur Zoll- und Passkontrolle vorübergehend vor Coney Island, bevor es auf die Wasserfläche vor Manhattan einfuhr. Unmittelbar vor der Vorbeifahrt an der Freiheitsstatue stellte die Schwedin später ein Bild von sich vor der berühmten Skyline der US-Metropole online.

Thunberg verzichtet auf Flugreisen, weil auf diesen besonders viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden. Deshalb entschied sie sich dazu, den Weg über den Atlantik per Hochsee-Segeljacht auf sich zu nehmen. In den USA will sie ihren Kampf gegen die Klimakrise auf eine neue Ebene heben. Nach ein paar Tagen Ruhe stehen nach dpa-Informationen mehrere Klimaproteste in New York und vor allem zwei UN-Klimakonferenzen auf Thunbergs Plan. Schon am Freitag könnte Thunberg vor dem Gebäude der Vereinten Nationen einen Protest anführen.

Der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York startet am 21. September. Ihm folgt zwei Tage später der UN-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der UNO-Generalversammlung. Thunberg wird bei beiden Veranstaltungen erwartet, will in der Zwischenzeit aber auch noch andere Aktivisten, Entscheidungsträger und Betroffene des Klimawandels treffen.

Aus Thunbergs Umfeld verlautete auch, dass sie zu politischen Gesprächen nach Washington fahren wolle. Ein Treffen mit US-Präsident Trump, der eine klimafeindliche Politik betreibt, scheint aber ausgeschlossen. Thunberg hatte schon gesagt, keine Zeit an Trump „verschwenden“ zu wollen. Im Dezember will die 16-Jährige dann an der Weltklimakonferenz im südamerikanischen Chile teilnehmen. Für ihre Reise hat sich die Schwedin ein Jahr Auszeit von der Schule genommen.

Als damals noch 15-Jährige hatte Thunberg sich vor gut einem Jahr vor das Parlament in Stockholm gesetzt, um für einen beherzteren Einsatz ihres Landes für das Klima zu protestieren. Aus ihrem einst einsamen „Schulstreik fürs Klima“ ist die internationale Klimaschutzbewegung Fridays for Future entstanden, mit der auch in vielen deutschen Städten etliche Schüler freitags statt in den Unterricht zum Protest auf die Straße gehen. Die Klimaproteste beeinflussen die Debatten über die Klimakrise und machen Druck auf Regierungen für entschiedenere politische Ansätze.




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