Letztes Update am Do, 29.08.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausstellungen von Caravaggio bis Dürer beim Kulturherbst



Von Dürer bis Caravaggio, von Lassnig bis Rainer: Der Ausstellungsherbst bietet im Herbst einige Publikumsmagneten. Die Nase vorn haben dabei die Albertina und das KHM, aber auch im Leopold Museum, dem Kunst Haus Wien oder dem mumok lassen sich die ersten Herbsttage bei einem vielfältigen Angebot verbringen. Bei „For Forest“ in Klagenfurt kann man dem Wald im Stadion beim Verfärben zusehen.

Einen starken zeitgenössischen Schwerpunkt - gepaart mit Aushängeschild Albrecht Dürer - bietet die Albertina: Den Anfang macht ab 6. September eine umfassende Retrospektive der 2014 verstorbenen Maria Lassnig. Anlass für die Schau „Ways of Being“ ist der 100. Geburtstag der Grande Dame der österreichischen Malerei. Genau zwei Wochen danach (ab 20. September) folgt ein sicherer Publikumsmagnet: Über 200 Exponate umfasst die „Albrecht Dürer“-Schau, die die umfangreichen Bestände des Hauses durch internationale Leihgaben erweitert. Eine halbe Million Besucher hatte die letzte große Dürer-Schau zur Wiedereröffnung der Albertina im Jahr 2003 angezogen, nun wirbt man mit einem „noch umfassenderen“ Einblick in das Werk des Alten Meisters. Ein Kontrastprogramm bietet man ab 27. September anlässlich des 90. Geburtstags von Arnulf Rainer, dem man eine umfangreiche „Hommage“ widmet: Im Mittelpunkt stehen Beispiele der frühen Übermalungen, eine Auswahl der „Face Farces“ sowie eine Serie von Schleierbildern.

Der römische Frühbarock dominiert in diesem Herbst das Kunsthistorische Museum, bevor am 1. November Eike Schmidt das Ruder übernimmt: Ab 15. Oktober bespielen „Caravaggio & Bernini“ das Haupthaus, gezeigt werden soll, „wie intensive Gefühle plötzlich zur Aufgabe für Malerei und Skulptur werden“. Dabei werden „spektakuläre Leihgaben aus aller Welt“ mit den Meisterwerken des Kunsthistorischen Museums, das drei Gemälde Caravaggios besitzt, vereint. Im Weltmuseum Wien steht ab 17. September die internationale Wanderausstellung „The Majlis - Cultures in Dialogue“ des Sheikh Faisal Bin Qassim Al-Thani Museum in Doha auf dem Programm. Das nebenan beheimatete Haus der Geschichte Österreich, dessen Zukunft weiter ungewiss ist, widmet sich zum Nationalfeiertag (26. Oktober) Österreichs Ursprüngen im Jahr 996 und zeigt bis zum 3. November „#Ostarrichi. Die Karriere einer Urkunde“. Ab 8. November folgt mit „Verschüttet. Malzgasse 16“ eine Präsentation der jüngsten Funde im zugeschütteten Keller der ehemaligen Synagoge in Wien-Leopoldstadt.

Das Untere Belvedere startet am 4. Oktober mit einer umfassenden Ausstellung des österreichischen Künstlers Wolfgang Paalen (1905-1959), der einst auf Einladung von Frida Kahlo nach Mexiko ging und zahlreiche US-Künstler wie Jackson Pollock oder Mark Rothko beeinflusste. Im Oberen Belvedere widmet man Josef Ignaz Mildorfer anlässlich seines 300. Geburtstags die erste monografische Einzelpräsentation (ab 19. September), im Belvedere 21 zeigt man an 5. September eine Werkschau des 1934 geborenen Oberösterreichers Josef Bauer. Danach steht ab 26. September das Werk der 1984 in der DDR geborenen Künstlerin Henrike Naumann im Zentrum, die in ihren immersiven Installationen ihre Jugenderfahrungen „zwischen Hedonismus, Konsumkultur und erstarkendem Rechtsradikalismus“ verarbeitet.

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Mit „Street. Life. Photography“ aus sieben Jahrzehnten startet das Kunst Haus Wien ab 11. September in den Herbst, zu sehen sind 200 Arbeiten von Merry Alpern über Robert Frank bis zu Lee Friedlander, insgesamt sind 35 Positionen vertreten. Im mumok widmet man sich ab 27. September dem Wirken des früheren 20er Haus-Direktors Alfred Schmeller und dem fotografischen Nachlass des Schriftstellers Heimrad Bäcker. Ab 16. November folgen Zeichnungen von Eva Hesse, die Gruppenausstellung „Objects Recognized in Flashes“, in deren Mittelpunkt „die Auseinandersetzung mit den Oberflächen von Fotografien, Produkten und Körpern in einer weitgehend digitalisierten Gesellschaft“ steht, sowie mit „Im Raum die Zeit lesen“ eine Schau über die Moderne (1910 bis 1955).

Das Leopold Museum richtet seine Scheinwerfer ab 27. September auf Richard Gerstl, seines Zeichens Pionier des Expressionismus, der noch vor Egon Schiele und Oskar Kokoschka „ein Œuvre voller stilistischer Neuerungen schuf“. Am 15. November folgt mit „Deutscher Expressionismus“ ein Streifzug durch die Schweizer Sammlung Braglia und die deutsche Sammlung Johenning. Seit Juni hat das Frauen-Kollektiv WHW aus Zagreb die Leitung der benachbarten Kunsthalle Wien inne, die Herbstausstellung stammt allerdings noch aus der Ära Nicolaus Schafhausen: Auf dem Programm steht ab 30. Oktober „Time is Thirsty“. Auf der Website heißt es dazu kryptisch: „Eine Ausstellung als Zeitreise, die das Jahr 1992 - damals wurde die Kunsthalle Wien gegründet - zum Ausgangspunkt für einen Fantasiefilm macht, dessen Handlung verloren ist.“ Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der österreichisch-japanischen Freundschaft zeigt das MAK ab 26. Oktober eine Ausstellung über den japanischen Ukiyoe-Designer Kuniyoshi und sein künstlerisches und kulturelles Umfeld. Das Baugeschehen und dessen Akteure im Nachkriegsösterreich im Diskurs des Kalten Krieges beleuchtet das Architekturzentrum Wien (AzW) ab 17. Oktober.

Das Kunsthaus Graz zeigt ab 15. November in „Kunst Handwerk“, „wie sehr sich lokale Identifikationen und globale Entwicklungen längst ineinandergeschoben haben“. Dazu heißt es in der Vorschau: „Der Umgang dieser Künstler mit vormodernem, tradiertem bzw. lokalem Wissen, mit diversen Materialien und Verfahren ist nicht abschottend, sondern öffnend - hin zu anderen Kulturen, zur modernen und zeitgenössischen Kunst, zu aktuellen Diskursen und zu digitalen Entwicklungen.“ Seinem „ebenso glanzvollen wie problematischen Erbe“ widmet sich das Lentos in Linz und zeigt mit „Wolfgang Gurlitt. Zauberprinz“ eine Schau über den Sammler und Kunsthändler, der während der Zeit des Nationalsozialismus in den Handel mit beschlagnahmter Kunst involviert war und nach dem Zweiten Weltkrieg die Direktion der Neuen Galerie der Stadt Linz übernahm (ab 4. Oktober). Einen höchst unkonventionellen Kunstherbst kann man in Klagenfurt verbringen: Am 8. September eröffnet „Österreichs größte Kunstinstallation“ im Wörthersee-Stadion. In Klaus Littmanns Projekt „For Forest“ nach einer Zeichnung von Max Peintner bevölkern bis 27. Oktober nicht 22 Fußballer, sondern 299 Bäume das Spielfeld.




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