Letztes Update am Do, 29.08.2019 11:05

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gewandhausorchester verabschieden sich mit Anton Bruckner



Die letzten Tage der diesjährigen Salzburger Festspiele sind angebrochen und als letztes der sieben „Orchester zu Gast“ nahm Andris Nelsons mit dem Gewandhausorchester Leipzig am Mittwochabend einen wortwörtlich schweren Abschied mit Bruckners Achter Symphonie im Großen Festspielhaus. Anton Bruckners Musik und das Gewandhausorchester sind in ihrer Geschichte eng verbunden.

Es spielte nicht nur die Uraufführung seiner Siebenten Symphonie, sondern auch als erstes Orchester weltweit einen Gesamtzyklus aller Symphonien nach dem ersten Weltkrieg. Auch Andris Nelsons, seit Beginn des Vorjahres Gewandhauskapellmeister, huldigt dieser Verbindung und nimmt mit dem Orchester aktuell nach und nach alle neun Symphonien neu auf. Die Einspielung der Achten ist bisweilen nicht erfolgt, mit ihr machten Nelsons und das Leipziger Orchester erst einmal Station bei sämtlichen namhaften Sommerfestivals. So nun auch in Salzburg.

Das Gewandhausorchester ist Bruckner nicht nur geschichtlich verbunden, sondern auch klanglich. Das machte Nelsons im Großen Festspielhaus mit einer lebhaften und großen, manchmal aber auch sehr nachdenklichen und sanften Interpretation deutlich. Besonders die Holzbläser gaben den ersten Satz klanglich eindrucksvoll. Beginnend mit der Oboe gab Nelsons das thematische Wehklagen Stück für Stück durch die Instrumentengruppe und ließ es am Ende ganz sanft und kaum hörbar verklingen. So leise und verletzlich vernimmt man Bruckner selten.

Wie Bruckner in seiner ganzen Klanggewalt klingen kann, zeigte Nelsons im dritten Satz. Mit vielen großen Momenten und Gesten für das Blech faltete er das Adagio immer weiter auf, und diese Größe gipfelte in ihrer vollen Pracht im Finale. Hier baute das Gewandhausorchester Bruckner ein schweres und nur so vor Kraft strotzendes Monument, das das Publikum in Ehrfurcht erstarren ließ, ehe es dann nach ziemlich genau eineinhalb Stunden in großen Applaus verfiel. Andris Nelsons hat Bruckner mit dieser Art der Interpretation zwar keineswegs neu erfunden, das Orchester allerdings in seiner ganzen Klangpracht erstrahlen lassen. Bis Mitte September zieht das Orchester mit der Achten weiter durch die Lande, und auf den Halt im Aufnahmestudio darf man sich jetzt schon freuen.




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