Letztes Update am Do, 29.08.2019 12:57

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


38-Jähriger nach Bluttat in Amstetten in Anstalt eingewiesen



Weil er im Jänner in Amstetten seine Ehefrau mit 38 Messerstichen getötet haben soll, ist ein 38-Jähriger am Donnerstag am Landesgericht St. Pölten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Die Geschworenen entschieden auf Unzurechnungsfähigkeit. Wäre der Mann schuldfähig gewesen, wäre er wegen Mordes belangt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Betroffene soll das Opfer am Nachmittag des 8. Jänner im Amstettner Ortsteil Greinsfurth mit eine Küchenmesser attackiert haben. Ihren Ausgang nahm die Bluttat nach Angaben der Staatsanwältin in der Wohnung des Ehepaares in einem Mehrparteienhaus. Wie der neunjährige Sohn des Paares, der teilweise Augenzeuge des Geschehens geworden war, im Rahmen der kontradiktorischen Einvernahme schilderte, sei er vom Vater gefüttert worden. Dabei sei zwischen den Eltern eine Diskussion über ein islamisches Segensgebet entbrannt.

Immer wieder soll der türkischstämmige, in Tirol geborene Mann daraufhin in und vor der Wohnung auf seine Partnerin eingestochen haben. Neben dem Sohn sahen auch einige Nachbarn die Bluttat mit an. Der Betroffene sei „im Blutrausch“ gewesen, schilderte eine Zeugin: „Der hat mich gesehen und hat weitergetan.“ Der 38-Jährige ging laut Anklage nach der Tat in seine Wohnung, wo er festgenommen wurde. Seine Frau erlag im Landesklinikum der Mostviertler Bezirkshauptstadt ihren Verletzungen.

Der psychiatrischen Expertise zufolge leidet der Betroffene an einer anhaltenden wahnhaften Störung. Gutachterin Sigrun Roßmanith sagte, dass sie kaum mit dem 38-Jährigen sprechen konnte. „Er hat mich aber schon beim ersten Kontakt aufgefordert, zum Islam zu konvertieren.“ Etwas, dass der Mann auch am Donnerstag beim vorsitzenden Richter versuchte - im Rahmen der Abklärung der Personalien.

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Roßmanith zufolge habe sich der Betroffene in den vergangenen Jahren radikalisiert, sukzessive sei es dann zu der wahnhaften Erkrankung gekommen. Diese sei auch im Tatzeitpunkt vorhanden gewesen, deshalb liege aus ihrer Sicht Unzurechnungsfähigkeit vor, betonte die Sachverständige. Auch die Prognose für den 38-Jährigen sei ungünstig. Der Mann sei sogar „extrem gefährlich“, hob Roßmanith hervor.

Der Betroffene selbst schwieg, wie bereits bei den Einvernahmen davor, zu der Tat. Befragt nach dem Geschehenen, sagte er zum vorsitzenden Richter nur: „Es wäre besser, wenn Sie zum Islam konvertieren.“

Die Geschworenen schlossen sich den Ausführungen der psychiatrischen Gutachterin an und entschieden unisono, dass der 38-Jährige im Zustand der Zurechnungsunfähigkeit gehandelt hat. Ebenfalls ohne Gegenstimme wurde die Hauptfrage nach Mord bejaht - dafür wird der Betroffene allerdings mangels Schuldfähigkeit nicht belangt. Der vorsitzende Richter erklärte abschließend, dass die Gefährlichkeit des Mannes für eine bedingte Einweisung zu hoch sei. Während die Staatsanwältin auf Rechtsmittel verzichtete, gab der Verteidiger keine Erklärung ab.




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