Letztes Update am Fr, 30.08.2019 13:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verwirrung um Ziel von iranischem Öltanker „Adrian Darya 1“



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Um das Ziel des iranischen Öltankers „Adrian Darya 1“ hat sich am Freitag die Verwirrung verstärkt. Während die Schifffahrtsdaten laut dem Portal Marinetraffic.com den südtürkischen Hafen Iskenderun als Ziel angaben, behauptete der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, das Schiff sei in den Libanon unterwegs. Beirut dementierte umgehend.

Der früher „Grace 1“ genannte Supertanker sei gar nicht auf dem Weg nach Iskenderun, sondern steuere den Libanon an, sagte der türkische Außenminister am Freitag während eines Besuchs in Norwegen. Die Türkei verfolge genau seinen Kurs. Im Libanon teilten allerdings Energieministerin Nada Boustani Khoury und Finanzminister Ali Hassan Khalil mit, das Land wisse gar nichts davon, dass die „Adrian Darya 1“ dort anlegen wolle. Man habe keine entsprechende Landeanfrage erhalten, schrieb Boustani auf Twitter.

Großbritannien hatte den mit iranischem Erdöl beladenen Tanker, der damals noch als „Grace 1“ unter der Flagge Panamas fuhr, Anfang Juli vor dem britischen Überseegebiet Gibraltar unter dem Verdacht festgesetzt, dass er entgegen der EU-Sanktionen Öl nach Syrien liefern wolle. Die rechtlich umstrittene Entscheidung führte zu einem langen Streit mit dem Iran, in dessen Zuge die iranischen Revolutionsgarden einen britischen Tanker im Persischen Golf festsetzten.

Trotz der Forderung der US-Regierung, den iranischen Tanker zu beschlagnahmen, erlaubte ein Gericht in Gibraltar am 15. August schließlich seine Weiterfahrt. Bedingung war, dass der mit 2,1 Millionen Barrel Öl im Wert von 140 Millionen Dollar (126,45 Mio. Euro) beladene Tanker unter iranischer Flagge fährt. Seitdem bewegt sich das Schiff ostwärts durch das Mittelmeer. Der Kapitän hatte in den vergangenen Tagen zunächst angegeben, nach Griechenland fahren zu wollen. Danach wurde das türkische Mersin als Ziel angegeben. Später hieß es dann, er warte auf Anweisungen seitens seiner Reederei. Iskenderun liegt nur 40 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt.

Die USA haben alle Mittelmeerstaaten unter Druck gesetzt, dem Schiff keinen Ankerplatz und keine Unterstützung zu gewähren. Die USA versuchen im Streit mit Teheran um die iranische Atom- und Außenpolitik, die Ölexporte des Iran auf null zu bringen.

Die Regierung im Bürgerkriegsland Syrien ist seit dem Verlust ihrer Ölfelder im Osten des Landes abhängig von iranischen Öllieferungen. Seit vergangenem Jahr erreichen aber kaum noch iranische Tanker die syrischen Häfen. Experten gehen davon aus, dass Ägypten ihnen auf Druck der USA die Passage durch den Suez-Kanal verwehrt und damit zur sehr viel längeren Fahrt um Afrika zwingt.




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